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Prague Pride will kein "Überflüssiges Festival" sein

Das LGBT-Festival findet zum siebten Mal in der tschechischen Metropole statt
Von David Binar

Das Festival Prague Pride mit seiner gay, lesbischen, bisexuellen und transgender Thematik (LGBT) hat sich in den vergangenen sechs Jahren zu einem bedeutenden Teil des Prager Kultursommers entwickelt. Auch in diesem Jahr werden vom 7. bis 13. August neue und tabuisierte Themen behandeln, wird Raum für Begegnungen mit der heterosexuellen Mehrheit geschaffen und viele interessante Gäste aus dem Ausland werden nach Prag gebracht.



Das Motto der Prague Pride 2017 lautet "Zbytečný Festival", also "Überflüssiges Festival". Es illustriert das diesjährige Thema, das sich um Toleranz und Respekt dreht. Häufig hört man, dass Schwule und Lesben in Tschechien toleriert werden und dass es darum keinen Grund gebe, das Festival zu veranstalten. Prague Pride 2017 will aber auf den Unterschied zwischen Toleranz und Respekt hinweisen.

„Ich toleriere Leute, die im Restaurant laut telefonieren oder unfreundliche KassiererInnen im Supermarkt. Toleriert wird etwas, das eigentlich etwas Schlechtes ist, wofür wir aber Verständnis aufbringen. Was gibt es aber daran zu tolerieren, wenn jemand schwul oder lesbisch ist? Wir wollen keine Toleranz, wir wollen Akzeptanz,“ sagte die Leiterin des Prague Pride Festivals Kateřina Saparová den Medien und fügte hinzu: „Mit einer hetero- oder homosexuellen Orientierung wird man geboren, man sucht sie sich nicht aus.“

Aus diesem Grund nutzt die Festival-Kampagne animierte Figuren, die behaupten, dass die Situation der LGBT-Minderheit in der Tschechischen Republik gut sei und dass es keinen Bedarf für Prague Pride gebe. Was die Figuren sagen, mag auf den ersten Blick freundlich klingen, in Wirklichkeit aber zeugen sie von Gefühlen der Überlegenheit oder Angst. Diese Aussagen werden in der tschechischen Gesellschaft häufig wiederholt und beweisen die Notwendigkeit eines solchen Festivals.

„Für die begleitende Werbe-Kampagne haben wir Sprüche gewählt, die LGBT-Menschen allzu häufig in Ihrer Umgebung hören. Vor allem die Meinung, dass Homosexuelle und Lesben niemanden stören, solange sie sich nicht in der Öffentlichkeit zeigen, wird sehr oft vernommen. Um eine solche Toleranz geht es uns nicht. Wir haben das gleiche Recht, uns öffentlich zu unserem Partner zu bekennen, auf der Straße die Hände zu halten oder über einen gemeinsamen Urlaub sprechen,“ sagte Kateřina Saparová.

Die Gästeliste von Prag Pride zeigt, dass man LGBT-Personen in allen Sphären der Gesellschaft finden kann. „Homosexualität ist kein gegenwärtiger Trend oder Mode, wie wir manchmal hören. Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transsexuelle gab es auch in Zeiten, in denen sie der Verfolgung ausgesetzt waren. Sie sind auch Teil der Kirche, trotz ihrer negativen Haltung zu diesem Thema. Homosexualität ist auch nicht etwas, was im Westen entstanden ist, sie kommt genauso auch in traditionellen östlichen Gesellschaften vor,“ sagte Programmdirektor des Festivals Radek Miřácký.

Zur Prague Pride kommen viele internationale Gäste, darunter die lesbische Historikerin Irina Roldugina aus Russland, die in Archiven bisher unveröffentlichte Dokumente über LGBT-Menschen aus der Stalin-Ära entdeckt hat. Mit Jayne Ozanne besucht ein Mitglied der Generalsynode der Anglikanischen Kirche das Festival. Seit ihrem Coming-Out im Jahr 2015, hat Jayne aktiv für die Interessen der LGBT-Minderheit in der Kirche gearbeitet.

In Prag wird auch die taiwanesische Aktivistin Jennifer Lu erwartet, die seit 2016 Beauftragte der Regierung für die Gleichstellung von LGBT-Menschen ist. Ein weiterer Gast ist die niederländische Polizistin Ellie Lust, Vorsitzende der Polizistenvereinigung "Pink in Blue", die homosexuelle Polizisten und Polizistinnen vereinigt und gegen Aggressionen kämpft, denen sie ausgesetzt sind.

Das Festival beginnt am Montag, dem 7. August mit einem Eröffnungskonzert im Pride Village auf der Schützeninsel (Střelecký ostrov). Der Höhepunkt des Festivals ist der traditionelle Umzug durch die Prager Innenstadt, der am Samstag, dem 12. August von 11:30 vom Wenzelsplatz zum Letná-Park führt.

Die Schirmherrschaft für die diesjährige Prague Pride haben der Minister für Menschenrechte, Chancengleichheit und Gesetzgebung Jan Chvojka, die Oberbürgermeisterin Adriana Krnáčová und die Stadträtin für Kultur und Nachbarschaftsbeziehungen des Stadtteils Prag 7 Hana Třeštíková übernommen.

Das komplette Programm der Prag Pride 2017 finden Sie auf www.praguepride.cz und der mobilen App Convene von Thomson Reuters für iOS und Android. Bei den meisten Veranstaltungen ist der Eintritt frei.


ManSprichtDeutsch.cz (Tschech.news), Prag 31.07.2017