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Nostalgisches Prag

Sehenswerte Ausstellung im Heinrichsturm
von David Binar

Eine Zeitreise ins 19. und frühe 20. Jahrhundert können Liebhaber Prags machen. Die Ausstellung „Nostalgisches Prag“ (Nostalgická Praha) im Heinrichsturm (Jindřišská věž) in der Nähe des Wenzelsplatzes präsentiert alte Fotografien von bekannten Plätzen der Stadt sowie von Menschen aus vergangenen Tagen. Zu sehen gibt es Gebäude, die es heute nicht mehr gibt, Häuser, die sich in der Zeit verändert haben und solche, die praktisch unverändert geblieben sind.

Interessant sind Veränderungen, die der Altstädter Ring durchgemacht hat. Auf den Fotos ist zum Beispiel die Mariensäule zu sehen, die 1918 als Symbol der österreichischen k.u.k. Monarchie von einem wütenden Mob geschleift worden war, oder das Altstädter Rathaus, das in den letzten Kriegstagen im Mai 1945 teilweise zerstört wurde und an dessen Platz heute ein Park ist. Man kann das Krenn-Haus sehen, das im Rahmen eines radikalen Umbaus der Prager Altstadt Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen wurde. Erst dadurch wurde die St. Nikolaus Kirche in der Altstadt (Kostel svatého Mikuláše) Teil des Altstädter Rings.


Eines der Fotos zeigt ein Zeppelin Luftschiff, das 1930 aus Versehen über Prag geflogen war, als es wegen ungünstiger Witterungsverhältnissen von seiner geplanten Flugroute abgewichen war. Auf einem anderen Foto sieht man die „Gifthütte“ (Jedová chýše), ein berühmt berüchtigtes Gasthaus, das bei Prager Ganoven und Pennern beliebt war. Darin standen Holztische mit ausgehöhlten Vertiefungen, in die Suppe serviert wurde. Die aß man mit einem Löffel, der an den Tisch angekettet war. Nach dem Essen wurde einfach heißes Wasser über den Tisch geschüttet, um ihn sauber zu machen.

Auf den Fotos kann man die Prager Altstadt sehen, das Panorama der Prager Burg, Szenen aus dem ehemaligen Stadtrand, Straßenbahnen auf dem Altstädter Ring oder das herrliche Gebäude des Hauptbahnhofes, das sich heute hinter der Stadtautobahn versteckt. Insgesamt sind kann man knapp 90 großformatige Fotos bewundern, die aus dem Archiv Historicke-foto.cz von Martin Nechala stammen. Es handelt sich meist um alte Ansichtskarten, die mühevoller bearbeitet worden sind und die viele interessante Details enthalten. Die Vorbereitungszeit für die Ausstellung dauerte über ein Jahr und ihre Pforten sind noch bis zum 20. August geöffnet.

Bis Ende Mai gibt es außerdem eine kleine Ausstellung aktueller Fotos der Stadt zu sehen. Diese wird von der Facebook-Seite „Miluju Prahu“ („Ich liebe Prag“) veranstaltet. „Miluju Prahu“ veröffentlicht Fotos der Stadt von bekannten Fotografen sowie von Amateuren.

Jedes Jahr wird aus Tausenden eingegangenen Fotos eine Auswahl der besten gemacht und diese werden dann der Öffentlichkeit vorgestellt. Am Ende dieser Ausstellung am 31. Mai, am Vorabend des internationalen Kindertages, werden die Fotos versteigert und der Erlös kommt der Organisation Klokánek zu gute, die sich um Kinder in Not kümmert.


Foto: Jan Hamaďák

In diesem Jahr findet schon die vierte Ausstellung dieser Art statt und die 25 ausgestellten Fotos stammen von insgesamt zehn Autoren. Die bekanntesten sind der „rasende Prager Fotoreporter“ Eugen Kukla und der Fotograf David Šedivý, weiteren sind Michal Fic, Tomáš Sysel, David Černý, Jan Hamaďák, Karel Dobeš sowie die Damen Lenka Petruželová, Lenka Rondevaldová und Olga Smrčková.

Sehenswert sind nicht nur die Fotos, sondern auch der Ort der Ausstellung. Der Heinrichsturm ist ein Glockenturm in der Prager Neustadt in gotischem Baustil, er wurde von 1472 bis 1475 erbaut und hat eine Höhe von 67,7 Metern. Um die Jahrtausendwende wurde der Turm renoviert und im 10. Stock eine Aussichtsplattform eingerichtet, von der aus man drei verschiedene Aussichten auf die Stadt hat. Dort gibt es auch ein Glockenspiel mit zehn Glocken, das nur innerhalb des Turmes hörbar ist. Außerdem gibt es im Turm auch ein Restaurant und ein Café mit reicher Auswahl an Whiskys.

Wer alte Fotos Prags mit heute vergleichen möchte, kann sich dieses Video anschauen:

 


Einzelne Fotos der Ausstellung „Miluju Prahu“ kann man auch kaufen: eshop.milujuprahu.cz

 

ManSprichtDeutsch.cz (Tschech.News), Prag 13.04.2017