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Karel Jerie: zwischen Comic und Malerei

Von Lucie Drahoňovska

Er zählt zu den besten tschechischen Comic-Autoren und im März dieses Jahres feierte er seinen Vierzigsten. Anlass, einen kleinen Ausflug in die weite imaginative Welt Jeries zu unternehmen. Dazu braucht man derzeit nur in den Prager Stadtteil Smíchov zu reisen. Dort, in der Villa Portheimka, findet noch bis zum 7. Mai eine Ausstellung des Künstlers statt, die er bescheiden „XL“ genannt hat. Auf XL-Leinwänden finden wir hier bösartige Pilzsammler, Dinosaurier, Supermänner, Putzkolonnen und Engel.



Von Prag nach Dobříš

Dass es gerade ein Zug von Engeln ist, der die Retrospektive eröffnet,  ist kein Zufall. Nicht nur hat Jerie sich schon vor Jahren an einer Ausstellung zum Thema Engel auf Schloss Dobříš beteiligt. Sondern er pflegt auch eine besondere Beziehung zu „Anděl“ (Engel), dem Zentrum des Stadtteil Smíchovs, in dem seine jetzige Ausstellung stattfindet. „Ich bin vor zwei Jahren mit meiner Familie nach Dobříš gezogen, um mehr Ruhe zu haben“, erzählt Jerie. „Nach Prag komme ich jedoch sehr häufig, meine Frau betreibt am Anděl eine Astrologiepraxis und so sind wir mit diesem Teil der Stadt stark verbunden“, sagt er. Sein Engelszug vor dem Smíchover Panorama soll sich im Laufe der Ausstellung weiter vergrößern. Denn jeder Besucher kann nach Belieben sein eigenes beflügeltes Wesen zuzufügen.

Pilzesammler und Dinosaurier

Dem Malen widmet sich Karel Jerie seit seiner Kindheit. Eine erste Inspiration fand er ins einer Oma Helena Kramaříková Šemberová, die Landschaftsmalerin war. Nach dem Besuch der Kunstschule absolvierte Jerie später die Prager Kunstakademie. Zu seinen Vorbildern zählen vor allem die berühmten tschechischen Klassiker Josef Lada und Ondřej Sekora. Ihnen zu Ehren schuf er gemeinsam mit seinem Bruder Denis das Leporello Über den bösen Pilzensammler (O zlobivém houbaři).

Jeries Kunst ist eine Mischung aus Comicstrip und Malerei. „ Die Verknüpfung der beiden Genres macht mir einen Riesenspaß. Manchmal zeichne ich einen Comic und parallel dazu male ich Gemälde, die direkt daran ansetzen. Ein anderes Mal entsteht ein Bild oder eine ganze Bildreihe, und das Comic dazu dann Jahre später“, meint Jerie. Seine Bilder erzählen geschichten, sollen aber auch inspirieren. „Die Besucher meiner Ausstellung sehen bestimmte Szenen. Wie die weitergehen könnten, sollen sie sich dann selbst ausdenken, ihre Phantasie arbeiten lassen. Darum geht es mir in meiner Kunst“, erklärt Jerie.

Thematisch arbeitet er in verschiedenen Zyklen, neben Engeln und Pilzsammlern finden wir da auch Superhelden, Dinosaurier oder Jäger. Jerie liebt die Mischung aus Übertreibung und ernsten Themen, wobei er ernste Sachen in unernste umwandelt und umgekehrt: „Ich gehe an die Grenzen des Ertragbaren“, sagt Jerie.  Er will provozieren. Zum Beispiel, wenn er die Protagonisten des „Prager Frühlings“  n seiner Serie „Die Tschechen“ (Češi) als Dinosaurier darstellt.

Komiks als Kunst

Seine Spur in der tschechischen Comic-Welt hinterlässt Jerie jedoch nicht nur als ein kreativer Maler und Zeichner. Gemeinsam mit ein paar Kollegen gründete er 2006 das Festival KomiksFest! „Ich freue mich, dass sich das Genre des Comic  bei uns inzwischen etabliert hat. Es wird wahrscheinlich nie zu einer Massenphänomen werden, aber das ist in der Kunst oft so“, sagt Jerie.

Die Retrospektivausstellung von Karel Jerie unter dem lakonischen Titel „XL“ ist in der Galerie Portheimka in Prag-Smíchov bis zum 7. Mail 2017 zu sehen.



Karel Jerie
wurde 16. März 1977 in Prag geboren und gehört heute zu den erfolgreichsten tschechischen Comic-Zeichnern, Illustratoren und Malern. Im Jahre 2008 gewann er den ersten Preis auf den Internationalen Comics-Festival im polnischen Lodz. Er ist als Mitgliedund Mitbegründer der Bürgerinitiative zur Unterstützung der Comics-Kunst Sequenze und der Kunstgruppe Natvrdli tätig. Seine freie Kunst wurde in der Monografie „Lovecká sezóna“/“Jagdsaison“ von 2007umfangreich vorgestellt. (ldr)


ManSprichtDeutsch.cz (Tschech.News), Prag 10.04.2017