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Die Tür in die Künstlerseele

Von Lucie Drahonovská

Eine Tür, die zu der eigenen Seele führt. So präsentiert sich Milan Cais in der Galerie der Prager Villa Pellé. „Für mich ist die Tür ein Symbol: Sie kann zwei Räume voneinander trennen, oder sie verbinden“ sagt Cais. „Dabei konzentriere ich mich auf drei Schlüsselwörter: Geheimnis, Überraschung und Entscheidung“, erklärt er: „Einem mag dieser alltägliche Gegenstand wie eine Holztür banal vorkommen, für mich jedoch stellt sie einen Raum dar, den ich in einem bestimmten Augenblick auf mich persönlich beziehe: Ich projiziere darin meine Gefühle sowie den steten Kampf mit dem eigenen Ego. Daher handelt es sich um eine sehr persönliche Ausstellung“, so Cais, der als  Multimedia-Künstler und Frontman der tschechischen Band Tata Bojs bekannt geworden ist.


Foto: Villa Pellé Milan Cais (c) Jiří Zahrádka


Kampf mit dem alltäglichen Ego

In der Ausstellung legt Cais so seine eigene Künstlerseele dar. Sie öffnet mit seinem neuesten Werk,  der Statuen-Komposition „Einige Probleme auf einmal“ (Několik problémů najednou“), die sich aus fünf miteinander verflochtenen Türen zusammensetzt. Dem Betrachter soll dadurch der komplizierte Schaffensprozess des Suchens, Findens, Zerstörens und Aufbauens nähergebracht werden. Das Ausstellungsstück „Prsten“ („Der Ring) symbolisiert hingegen eine feste Materie, dessen unbekanntes weisses Pulver eine gewisse Gefahr symbolisiert. Sämtliche Exponate sind durch das Seelenleben des Künstlers miteinander verbunden. Wie auch bei der „Begegnung“ („Setkání“), wo die guten und schlechten Seiten aufeinandertreffen. „Sie wirken gegeneinander, aber an einem Punkt  begegnen sie sich. Dabei entsteht eine elektrisierende Spannung“, erklärt Cais.

Die wahrscheinlich tiefste Dimension des Inneren stellt eine Holztür dar, in die Cais mit einer Motorsäge das Wort EGO eingekerbt hat. Das Ego, so die Essenz dieser Exposition, lässt einen nie in Ruhe. Es kann das Leben sogar unerträglich machen und Narben hinterlassen. Deshalb sollte man es irgendwie im Zaum halten.

Der Weg ins Innere des Künstlers beginnt im Erdgeschoss, wo seine jüngsten Arbeiten präsentiert werden. Das größte Ideengewirr herrscht unter dem Dachboden, der Einblick in seine Gedanken gewährt – mit all den Siegen und Niederlagen, Geheimnissen und Erinnerungen, die darin gespeichert sind.

Die  überdimensionale „Klinke“ (Klika), fand er an seiner eigenen Haustür immer scheußlich und hauchte ihr ein neues Leben als Ausstellungsobjekt ein. Auch Möbel aus seinem einstigen Kinderzimmer fanden im Dachboden der Villa Pellé ihre Wiederverwertung als riesige „Kassetten“ („Kazety“). Gleich nebenan befinden sich die Zeugnisse seiner Siege: seine ausgestellten Werke. Gesäumt sind sie von all den unvollendeten Bildern, Skulpturen und Projekten, die seine Niederlagen darstellen.

Wirrwarr in der Seele

Verbunden sind die beiden Ausstellungsflächen der Galerie durch eine vertikale Linie: den Aufzug. Auf seinem Weg auf und ab zwischen den Ebenen bewegt er sich sehr langsam. So kann der Besucher Objekte sichten, die das Hauptthema Tür immer aufs Neue interpretieren. Die „Pumpe für leere Seelen“ („Pumpička na prázdné duše“) zum Beispiel. Oder “Die glückliche Tür“ („Šťastné dveře“).

Am Ausgang erwartet Besucher ein Wirrwarr  von Kabeln und allerlei Unrat vor einer schmutzig-befleckten Tür. „das ist der Unrat“, sagt Cais, „der ganze Mist der Vergangenheit.“

Eine weitere Ausstellungsebene birgt Cais´ dreidimensionalen Werke und gegenwärtigen Arbeiten. Sie prägt vor allem das Thema „Zeit“. Die anschließenden Aquarelle „Ja“ und „Nein“ („Ano“ a „Ne“), hat Cais eigens für den Hochzeitssalon der Villa gemalt. Sie werden beherrscht durch die goldenen Ringe, deren fließende Inschriften den Lauf der Zeit symbolisieren. Hier sieht der Künstler seinen momentan engsten persönlichen Bezug. Es ist die Lebensmitte, die sich hier in ihren nüchternen Farben zeigt: schwarz, weiß, golden und viel Naturholz. Und auch darin spiegelt sich das Moment der Vergänglichkeit wider.

Die Ausstellung „Dveře dovnitř“/“Die Tür ins Innere“ in der neoklassizistischen Villa Pellé in Prag-Dejvice klingt mit einem Konzert der Tata Bojs und ihrer Freunde  am 26. März aus. Mehr auf www.villapelle.cz

 

ManSprichtDeutsch.cz, Prag 15.03.2017