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Eine Glocke für Václav Havel

Kirche in der Prager Altstadt erinnert an das Vermächtnis des tschechischen Präsidenten
von David Binar

Die Kirche des Heiligen Havel in der Prager Altstadt hat seit dem Zweiten Weltkrieg wieder eine neue Glocke. Ihr Name ist „Václav“ und soll an das Vermächtnis des letzten tschechoslowakischen und ersten tschechischen Präsidenten, Schriftstellers, Denkers und Dissidenten Václav Havel erinnern.


Die Glocke wurde von der Glockengießerei Grassmayr in Innsbruck hergestellt, wiegt ungefähr 750 kg, ist knapp einen Meter hoch und ihr Querschnitt misst 103 cm. Ihr Preis, einschließlich Transport und Installation betrug ungefähr 800.000 CZK (ca. 30.000 EUR). In einer öffentlichen Spendensammlung der Charta 77 Stiftung kamen 1,3 Millionen CZK zusammen. Das überschüssige Geld kommt dem Václav-Havel-Menschenrechtspreis zugute, der seit 2013 jährlich an Einzelpersonen oder Institutionen für einen außerordentlichen Beitrag zur Verteidigung der Menschenrechte verliehen wird.

Zu ersten Mal erklang „Václav“ am Sonntag, dem 15. März um 20 Uhr, zum Abschluß des Internationalen Projektes gegen Totalität, Übel und Gewalt Mene Tekel. „Václav“ wurde im Südturm der Kirche aufgehängt, in dem seit dem Zweiten Weltkrieg keine Glocke gehangen hat. Ursprünglich befand sich dort eine Glocke mit dem gleichen Namen, diese wurde aber im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen. Ihr Nachfolger wiederum überlebte den Zweiten Weltkrieg nicht. Nun hängt „Václav“ neben „Marie“, der ältesten Glocke Prags aus dem Jahr 1455, die sich im anderen Turm der Kirche befindet.

Die Kirche des Heiligen Havel ist dem Heiligen Gallus geweiht, dem aus Irland stammenden Wandermönch und Missionar, der im sechsten und siebten Jahrhundert vor allem im Bodenseeraum gewirkt hatte. Die Prager Kirche wurde im Jahre 1232 von Wenzel I. gegründet und war zu ihrer Zeit eine der vier bedeutendsten Prager Kirchen. Die heutige, im Stil des Barock renovierte Stirnseite entstand in den Jahren 1723 bis 1738.

Im Inneren der Kirche befinden sich eine sehr wertvolle und beinahe vollständige Barockeinrichtung sowie viele künstlerischen Sehenswürdigkeiten, vor allem die berühmte Abbildung des Kalvarienberges Golgota von Barockbildhauer Ferdinand Maximilian Brokoff oder das Grab von Karel Škréta, dem bedeutenden Malers des tschechischen frühen Barock.

Als „Václav“, die zum ersten Mal überhaupt erklang, gesellten sich zu ihm fast alle Glocken Prags und läuteten ihm zum Willkommensgruß. Der Transport der Glocke von der Prager Burg in die Kirche des Hl. Havel zog Hunderte Schaulustige an. Zuvor wurde „Václav“ während eines ökumenischen Gottesdienstes für die Opfer totalitärer Regime gesegnet.

Zvon Václav www.zvonvaclav.cz


ManSprichtDeutsch.cz, Prag 13.03.2017