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Ein Hauch Nostalgie zwischen Himmel und Erde

Prag ist einer der wenigen Städte Europas, die sich noch Aufzügen des Typs Paternoster rühmen kann. Über 30 dieser Personen-Umlaufzüge, so die technisch korrekte Bezeichnung, befinden sich bis heute in der Stadt, meist in Verwaltungsgebäuden und Schulen.


Foto: youtube.com

An der Juristischen Fakultät der Karlsuniverität haben Studierende nun eine Initiative gestartet, um ihren Paternoster im Fakultätsgebäude am Prager Moldauufer zu retten.

Der ist nämlich schon seit 2008 außer Betrieb. „Es ist eine Schande, dass die meisten unserer Studenten den Paternoster nur vom Hörensagen kennen, ihn aber noch nie selbst nutzen konnten“, sagt Jan Kuklík, Dekan der Fakultät. Er sieht den Paternoster nicht nur als ein historisches Symbol der Prager Juristenschmiede. Eine erneute Inbetriebnahme würde allen, die das Gebäude frequentieren von Nutzen sein, meint er.  

Rettung erfolgreich

Die Reparaturkostensind allerdings recht hoch und könnten sich auf bis zu 8,5 Millionen Kronen belaufen. Studentinnen und Studenten der Fakultät haben die Sache inzwischen in ihre Hände genommen. Sie organisierten kurzerhand ein eigenes Musikfestival, das Paternoster Fest, auf dem sie ganze fünf Millionen Kronen für die Rekonstruktion des Kleinods sammelten. Eine weitere Crowd-Funding Aktion brachte 800 000 Kronen zusammen. Die Arbeiten an dem historischen Aufzug könnten so Ende dieses Jahres beginnen.  

Anderswo in der Moldaumetropole gelten Paternoster als ein Geheimtipp, nicht nur für Besucher der Stadt. Man findet sie im Prager Magistrat, dem Rundfunkgebäude, der YMCA, verschiedenen Ministerien oder in der Lucerna-Passage am Wenzelsplatz.

Sie stammen allesamt aus der Hochzeit der Paternoster, der Ersten Tschechoslowakischen Republik der Jahre 1918 – 38.

Der Begriff Paternoster bedeutet Vater Unser. Der religiös anmutende Name verweist darauf, dass die Kabinen eines Paternosters aneinandergereiht sind, wie die Perlen eines Rosenkranzes. Erfunden und entwickelt wurden Paternoster 1877 in England.

Inzwischen  die EU den Bau neuer Paternoster aus Sicherheitsgründen untersagt. Unter der Erfüllung bestimmter Auflagen dürfen historische Paternoster aber weiterhin in Betrieb bleiben.

Die meisten erhaltenen Paternoster finden wir heute in Tschechien und in Deutschland. Der älteste Prager Paternoster befindet sich im Gebäude des Tschechischen Rundfunks im Stadtteil Vinohrady. Er wurde zwischen 2007 und 2009 renoviert.

ManSprichtDeutsch.cz (am/red), Prag 07.03.2017