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Preisverdächtig: Masaryk oder Heydrich?

Von Lucie Drahonovská

Nach der diesjährigen Berlinale, wo im Hauptprogramm auch der tschechische Film „Masaryk“ gezeigt wurde, steht in Tschechien der Filmpreis „Český lev“ (Böhmischer Löwe) an. Am Abend des 4. März wird die gesamte tschechische Filmbranche bei einer Gala im Prager Rudolfinum zusammenkommen, um das Beste der aktuellen heimischen Filmproduktion auszuzeichnen. Die feierliche Veranstaltung wird dann live im öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen übertragen.



Historische Dramen am Rennen

Bereits im Januar hat die Tschechische Film- und Fernsehakademie die Nominierungen für den 24. Jahrgang dieses traditionellen Filmfestes vergeben. Insgesamt 112 Juroren haben unter 42 abendfüllenden Spiel- und Zeichentrick- sowie 29 Dokumentarfilmen ihre Favoriten ausgewählt. Insgesamt  vierzehn, und damit die meisten Nominierungen, erhielt der bereits erwähnte Film „Masaryk“. Das Historiendrama von Regisseur Julius Ševčík entstand in tschechisch-slowakisch-deutscher Koproduktion. Die Handlung dreht sich um den Sohn des tschechoslowakischen Staatsgründers Tomáš Garrigue Masaryk, Jan Masaryk, und spielt in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg.

Während des Protektorats spielt der Historienthriller „Anthropoid“, der zwölf Nominierungen erhielt. Die britisch-tschechische Koproduktion in der Regie von Sam Ellis widmet sich den Umständen des Attentats auf den stellvertretenden Reichsprotektor, den „Schlächter von Prag“  Reinhard Heydrich.

Mit insgesamt 9 Nominierungen geht das slowakisch-tschechische Drama „Učitelka“ (Die Lehrerin) in den Endspurt um den Löwen. Das Werk des tschechischen Erfolgsregisseurs Jan Hřebejk  ist in der Spätzeit des Kommunismus in der Slowakei angesiedelt. Seine Antiheldin ist eine Russischlehrerin, die sich vordergründig freundlich gibt, hintenherum aber Kinder und ihre Eltern manipuliert und gegen sie intrigiert. Große Hoffnungen, nicht leer auszugehen, hegt mit acht Nominierungen der Film „Já, Olga Hepnarová“ (Ich, Olga Hepnarová. Die Regisseure Petr Kazda und Tomáš Weinreb erzählen darin die Lebensgeschichte der letzten Massenmörderin, die in der früheren Tschechoslowakei hingerichtet wurde.

Von Legenden und Autisten

In der Kategorie „Der beste Dokumentarfilm“ werden folgende drei Streifen das Rennen machen: Ein Favorit ist „Bratříček Karel“ (Bruder Karel) der Regisseurin Krystyna Krauze. Sie behandelt das tragischen Schicksal des Liedermachers und Sängers Karel Krýl, der 1994 verstarb, aber schon zu Lebzeiten als Legende galt.

Regisseur Tomáš Bojar wirft in seinem Streifen FC Roma einen humorvollen Blick auf einen ungewöhnlichen Junior-Fußballklub in Děčín (Tetschin). Der besteht vor allem aus jungen Roma und erlangte landesweit traurige Berühmtheit, als er von anderen tschechischen Fußballvereinen im Rahmen eines Bezirkschampionats boykottiert wurde.

Zu den weiteren nominierten Dokumentationen gehören „Normální autistický film“ (Ein normaler autistischer Film) von Miroslav Janek über den Alltagskampf fünf autistischer Kinder. Ein weiterer interessanter Film im Wettbewerb ist auch die Doku „Zkáza krásou“ (Durch Schönheit ins Verderben) der berühmten tschechischen Regisseurin Helena Třeštíková und ihres Kollegen Jakub Hejna. Sie verfolgen darin den Lebensweg einer umstrittenen tschechischen Filmdiva der 30er Jahre, Lída Baarová.


ManSprichtDeutsch.cz, Prag 20.02.2017