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Prag erstrahlt in neuem Licht

Zwischen dem 13. und 16. Oktober verwandelt sich Prag erneut in eine zauberhafte Lichtkunstgalerie. Zum vierten Mal findet in der tschechischen Hauptstadt das Lichtkunstfestival Signal statt. Man spricht Deutsch sprach mit seinem Direktor, Martin Pošta.

Aus ihrem Lichtkunstfestival Signal ist innerhalb weniger Jahre ein beliebtes Ereignis geworden. Wie denken Sie heute an die Anfänge des Festivals zurück?

Nach dem Erfolg unseres Videomappings auf die astronomische Uhr am Altstädter Rathaus, an dem sich gemeinsam mit uns auch der Künstlerverein The Macula beteiligte, begannen wir mit unseren Lichtprojektionen um die Welt zu reisen. Dabei trafen wir viele kreative Künstler und lernten ihre Arbeit direkt vor Ort kennen. Schnell merkten wir, dass die Lichtkunst hierzulande noch nicht genug Raum hat. Und so kam die Idee für Signal auf. Es handelt sich aber nicht um ein ausländisches Projekt, das wir hierher übertragen haben. Das Lichtkunstfestival entstand in Prag. Selbstverständlich gibt es ähnliche Veranstaltungen rund um die Welt, ähnlich wie zum Beispiel Filmfestivals. Doch nicht jeder kann sich mit Prager Kulissen rühmen, in denen unser Festival seit 2013 jährlich stattfindet.

Und wie wurden Sie zum Mann, der die Moldaumetropole erleuchten lässt?

Rein zufällig. Vor einigen Jahren begegnete ich dem heutigen Kreativdirektor von The Macula Amar Mulabegovič, der mich dazu einlud, gemeinsam die Kirche des Heiligsten Herzen des Herrn (Kostel Nejsvětějšího srdce Páně) auf dem Prager Náměstí Jiřího z Poděbrad aufleuchten zu lassen. Von dort war es nur ein kleiner Schritt zu unserem erfolgreichen Videomapping auf die astronomische Uhr auf dem Altstädter Ring.



Waren Sie mit ihrem Festivalstart 2013 zufrieden?

Es war für uns alle ein großes Erlebnis. Wir konnten unsere langjährigen Visionen verwirklichen, den Menschen ein künstlerisch hochkarätiges Festival anzubieten. Also berühmte architektonische Schätze sowie weniger bekannte Prager Winkel wortwörtlich „in einem neuen Licht“ erstrahlen zu lassen. Und auf die Wirkung der Kunst innerhalb des öffentlichen Raumes hinzuweisen. Das ist uns auch gelungen. Das merkten wir, als wir sahen, wie Ströme von Besuchern während des Festivals jeden Abend die Straßen überfluteten. Überall hörten wir da das Wort „Signal“ und wurden Zeugen emotionaler Diskussionen über bestimmte Installationen. Das Echo auf den ersten Jahrgang war wirklich wunderbar.

Inwieweit hat sich das Festival Signal seitdem weiterentwickelt?

Jeder Jahrgang bedeutet für uns eine neue Herausforderung, wobei wir unsere Besucher immer mehr faszinieren und uns selbst immer mehr übertreffen möchten. Wir suchen immer wieder nach Neuem, um die Qualität der präsentierten Kunstwerke weiterhin zu steigern. Denn zu den Lichteffekten gehört auch ein Begleitprogramm für Fachleute und Interessierte. Im vergangenen Jahren gab es zum Beispiel eine Podiumsdiskussion zum Thema Lichtsmog, eine Konferenz, über die Kreativindustrie in der Kultur, sowie die Bildungsplattform Transmit, auf der Experten aus der ganzen Welt über die neusten Technologien innerhalb der Lichtkunst diskutierten. In diesem Jahr wird es eine Begegnung mit Vertretern der International Light Festivals Organisation geben, die Veranstalter der Lichtkunstfestivals weltweit vereinigt. Ich habe die Ehre, als ihr Präsident zu wirken.

Das bedeutet also, dass Ihr Festival innerhalb der internationalen Kunstszene inzwischen ein großes Ansehen genießt?

Es ist tatsächlich so, dass Signal weltweit ein starkes Renommee hat. Die Künstler kennen uns inzwischen und viele präsentieren sich sehr gerne in Prag. Dank einer sorgfältigen Auswahl unserer Kuratoren gelten wir als ein global angesehenes Kulturereignis. Dafür bin ich wirklich sehr dankbar.

Welche Höhepunkte hat ihr Team für das diesjährige Festival vorbereitet?

Zum Beispiel die minimalistische Projektion des deutschen Künstlers Daniel Rossi. Er wird sein Lichtspiel auf der Mauer der Ludmilla-Kirche auf dem Prager Náměstí míru präsentieren. Die Zuschauer lieben die Atmosphäre dieses neogotischen Baus, daher kehren wir immer wieder an diesen Ort zurück.

Die Lichtinstallationen kann man außerdem jährlich auch in Prager Parks, auf den Brücken oder sogar direkt auf der Moldau bewundern. Welche weiteren Prager Objekte werden sich unter den Lichtstrahlen jetzt verwandeln?

Die Installation des japanischen Künstlers Yasuhira Chido wird ab dem 6. Oktober vor dem Einkaufszentrum Palladium am Platz der Republik erleuchten. Die Zuschauer können hier den seltenen Hochgebirgseffekt „Brocken“ nachfühlen. Vom 13. Oktober an wird man überall im Stadtzentrum riesige Homanoide der Australierin Amanda Parer antreffen können, die den Anschein wecken, als ob sie dem tschechoslowakischen Film Divoká planeta (Das wilde Planet) entsteigen sind. Denn gerade von diesem Werk ließ sich die Künstlerin inspirieren.

Einer großen Beliebtheit erfreuen sich jedes Jahr die Videomappings, die eigens für Prager Festival produziert werden. In diesem Jahr werden es drei sein…

Das russische Kreativstudio Radugadesign zeichnet sich durch eine opulente Schaffensart aus, die Arbeit des spanischen Studios Tigrelab kann man am besten durch 3D-Brille auskosten, die am Ort des Videomappings verkauft werden. Und der bereits erwähnter Deutsche Daniel Rossa liebt reine minimalistische Linien der Objekte, die er in sein Mapping einbezieht.

Neu in diesem Jahr ist das Kinderprogramm. Können sie uns einige Details verraten?

Ein wichtiger Teil des Kinderprogramms stellt die Riesenkuppel Signal Dome dar. Gerade hier wird die Animationsprojektion für Kinder stattfinden, die die Lichtkunst mit der tschechischen Geschichte verbinden wird: Der kleine Junge Filip begegnet darin unserem bedeutendsten Herrscher, Karl IV. Gemeinsam begeben sich durch die Gassen Prags. Die interaktive Installation von David Vrbík wird sicher große und kleine Besucher in ihren Bann ziehen. Diejenigen, die einst auf nächtlichen Wiesen Glühwürmchen fingen, werden sich durch das Werk des Franzosen Maotik darauf zurückbesinnen. Und wer schon mal seine eigene Lichtinstallation haben wollte, der kann dies dank der interaktiven Arbeit von Zachary Lieberman während Signal versuchen. Lieberman ist der wohl bekannteste multimediale Gegenwartskünstler und schuf die kodierte Software open Frameworks für Kunstgrafiken, mit der die Besucher Herr über Liebermans Installation werden können.

Mehr über das Programm des Lichtkunstfestivals Signal  Prag(Festival světla Signál Praha) unter www.signalfestival.com


Martin Pošta
geboren 1979, ist der Produzent des Fresh-Filmfestivals, arbeitet mit der Künstlergruppe The Macula zusammen, steht auch hinter dem beliebten Festival DesignSupermarket. Das größte audiovisuelle Lichkunstfestival Signal veranstaltet er seit 2012 in Prag.



Lucie Drahonovská - ManSprichtDeutsch.cz, Prag 14.10.2016