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MSD Ausflugstipp: Kutna Hora

Die einst zweitwichtigste Stadt Böhmens, Kutná Hora, liegt nur knapp eine Autofahrtstunde in südöstlicher Richtung von Prag entfernt. Ihre historische Bedeutung verdankte die Stadt ihren reichen Silberminen, die im Mittelalter einen wahren Silberboom auslösten. Interessant ist in diesem Zusammenhang ebenfalls der deutsche Name der Stadt - Kuttenberg: Der Legende nach soll ein Mönch während eines Spaziergangs müde geworden sein und legte sich nahe der Allerheiligen-Kirche zum Schlafen. Als er aufwachte, sah er drei Silberbarren aus der Erde ragen, die ihm auch im Traum erschienen waren. Mit seiner Kutte markierte er die Stelle und eilte zurück ins Kloster, um von seinem Fund zu berichten und so kam schließlich der Name zustande (Kutna - Kutte und Hora - Berg).

Die St. Barbara Kirche ist der ideale Ausgangspunkt für die Besichtigung der Stadt. Dieser prächtige gotische Sakralbau steht stellvertretend für den Anspruch Kutná Horas Prag in nichts nachzustehen. Dabei teilte sie ein ähnliches Schicksal wie der St. Veits Dom in Prag. Die Arbeiten an der Kirche begannen bereits 1388, aber es sollte u.a. aufgrund der Hussitenkriege bis 1905 dauern, bis die Kirche schließlich neogotisch vollendet wurde. Ursprünglich war zudem ein fast doppelt so großer Bau geplant, aber dann ging den Bauherren das Geld aus. Ein interessantes Detail ist dabei, dass die Kirche ausschließlich den Bewohnern vorbehalten blieb, die im Bergbau tätig waren. Dem Rest der Bürger blieb der Zugang dagegen verwehrt.


St. Barbara Kirche - Foto: Czechtourism.com

Im Anschluss geht es weiter entlang des im 18 Jh. während der Rekatholisierung Böhmens erbauten Jesuitenkollegs in Richtung Zentrum. Zu den Höhepunkten zählt für mich persönlich der Besuch des mittelalterlichen Bergbaumuseums der Burg (Hrádek). Hier kann sich der interessierte Besucher in den angebotenen Rundgängen mit den verschiedensten Aspekten rund um den Bergbau im Mittelalter vertraut machen. Angefangen bei der Arbeit in den Stollen bis hin zur Verhütung und Gewinnung des Silbers sowie der Münzprägung. Bereits an den Namen der Schächte kann man nachvollziehen, welche Distanzen die Bergmänner überwanden, um hier zu arbeiten. So heißt ein Stollen z. B. „Dänemark“, da die Arbeit in den Silberminen selbst Menschen aus Nordeuropa anlockte. In Kutna Hora wurde ab dem Jahr 1300 der Prager Groschen geprägt, der aufgrund seines hohen Silbergehalts in ganz Europa geschätzt wurde und damit quasi ein früher Vorgänger des heutigen Euro war.

Bevor man sich im Bereich des zentralen Platzes seinen kulinarischen Gelüsten widmet, sollte man unbedingt noch einen Abstecher zum Steinernen Brunnen machen, der ebenfalls Zeugnis für die weitreichenden Konsequenzen des Bergbaus ist. Erbaut wurde er um das Jahr 1495 und war Bestandteil der Wasserversorgung der Stadt. Aufgrund des Bergbaus sank der Grundwasserpegel dramatisch ab und zudem war es durch die Schwermetalle zur Silbergewinnung verunreinigt. Über knapp 5 km wurde das Wasser ursprünglich in ausgehöhlten und abgedichteten Eichenstämmen aus der Nähe von Bylany nach Kutná Hora geleitet und dann auf die anderen Brunnen der Stadt verteilt.

Ein absolutes Muss und zudem eine gruselige Gänsehauterfahrung ist bei einem Ausflug nach Kutná Hora die Besichtigung des Beinhauses im Stadtteil Sedlec. Im Zuge der Säkularisierung unter Kaiser Joseph II erwarb die Familie Schwarzenberg die Gebäude und Ländereien des Klosters. Die Familie beauftragte František Rint mit der Gestaltung der Inneneinrichtung. Zu diesem Zweck verwendete dieser nicht weniger als 10.000 Gebeine von Menschen, die Pestepidemien im 14 Jh. bzw. den Hussitenkriegen im 15 Jh. zum Opfer gefallen waren.

Ein angenehmer Tagesausflug, der nicht mehr als 5 Stunden in Anspruch nimmt.

Autor: Arne Schmidt - ManSprichtDeutsch.cz 25.02.2015


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