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Prag will Airbnb die Flügel stutzen

Ferienwohnungen mindern Einkünfte der Stadt und erhöhen Wohnungspreise
von David Binar

Viele Touristen meiden heute Hotels und übernachten in Ferienwohnungen, die im Internet auf Plattformen wie Airbnb zu finden sind. Die Stadt will versuchen, diese Praxis zu unterbinden. Einige europäische Städte regeln bereits das kurzfristige Vermieten von Ferienwohnungen, Prag gehört aber noch nicht dazu.

Gegenwärtig arbeitet die Stadt an einer statistischen Analyse der Wohnungssituation in Prag. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für eine Regelung des Vermietens von Ferienwohnungen dienen. Als Beispiel wurde die niederländische Hauptstadt Amsterdam erwähnt, die das kurzfristige Vermieten einer Wohnung nur für 60 Tage in einem Jahr erlaubt.


Foto: fotolia

Der Stadtrat von Prag 1 Ivan Solil (ČSSD) vertritt die Meinung, dass es Spannungen zwischen den Nachbarn erzeuge, wenn sich kurzzeitig vermietete neben regulär genutzten Wohnungen befinden. „Wir haben im Haus eine oder zwei Wohnungen, in denen an den Wochenenden betrunkene Dänen oder Deutsche übernachten. In einer kleinen Wohnung sind ab und zu 15 von ihnen auf einmal. Sie verbrauchen Unmengen an Wasser und die Mülltonnen sind überfüllt,“ sagte Solil laut Tageszeitung Pražský deník.

Solil, der im Stadtrat von Prag 1 zuständig ist für kommunalen Themen wie Sicherheit, Verbrechensprävention und öffentliche Ordnung, hat das Thema auf der vergangenen Stadtratssitzung erwähnt. „Es gibt mehrere Beispiele im Zentrum der Stadt, wo sich die Mieter mancher Wohnungen so schnell abwechseln wie die Apostel auf der Prager Rathausuhr," sagte Solil.

Neben Lärm gäbe es aber auch noch andere Bedenken. "Der Aufkauf von Wohnungen, die als Ferienwohnungen vermietet werden, hat die Kosten der Wohnungen in der Innenstadt in die Höhe getrieben und hat auch einen negativen Einfluss auf die Belegung von Hotels", sagte der Vertreter der Grünen im Stadtteilparlament Matěj Stropnický. Er fügte hinzu, dass die Stadt auch Millionen von Kronen an Ortstaxen entgehen würden, die Hotels an die Stadt für die Unterbringung ihrer Gäste bezahlen müssen. Im vergangenen Jahr waren Touristen für sieben Millionen Übernachtungen in Prag verantwortlich und die Stadt sammelte über 140 Millionen CZK (über fünf Millionen Euro) in Abgaben ein.

Der stellvertretende Bürgermeister von Prag 1 Daniel Hodek (ČSSD) vertritt die Ansicht, dass ein neuer legislativer Rahmen geschaffen werden müsse, um das Problem der Ferienwohnungen lösen zu können. Er verglich die Situation mit der Problematik der einachsigen Segways, die noch vor kurzem in der Prager Innenstadt eine Plage darstellten, bis neue Vorschriften die Benutzung dieser Elektrofahrzeuge praktisch verboten haben.

Hodek und Solil wiesen darauf hin, dass derzeit in einem Gebäude, das verschiedene Miteigentümer hat, alle einem Verbot von Ferienwohnungen zustimmen müssen. Einschließlich des Miteigentümers, der von den Ferienwohnungen profitiert. Dabei könnte eine Änderung des Wortlautes eines Satzes im betreffenden Gesetz genügen, um das Problem zu lösen. Die Einführung eines Quorums könnte nämlich ein Veto des Besitzers der Ferienwohnung verhindern.

Airbnb hat in anderen Städten argumentiert, dass die Zahl der Touristen größer ist als die Anzahl der zur Verfügung stehenden Hotelzimmer, und die Plattform dadurch hilft, die Zahl der Touristen zu steigern. Laut Kritikern ist das aber in Prag nicht der Fall und Firmen wie Airbnb sind einfach Unternehmen, die außerhalb des gesetzlichen Rahmens tätig sind. Airbnb selbst ist in Prag seit fünf Jahren aktiv.

Zu einer radikalen Lösung griff die deutsche Hauptstadt Berlin. Dort gilt ab dem 1. Mai vergangenen Jahres das sogenannte "Zweckentfremdungsverbot", das dort Ferienwohnungen grundsätzlich verbietet. Das Gesetz soll verhindern, dass die ohnehin schon angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt durch die Vermietung von Ferienwohnungen noch verschärft wird. Vor allem in gefragten Wohngegenden sollte es leichter werden, eine Wohnung zu finden, da sich dort auch die Ferienwohnungen ballen.

Auch die österreichische Hauptstadt Wien wird im Frühjahr die Vorschriften für Plattformen wie Airbnb verschärfen. Sie werden beim Eintreiben der Ortstaxe helfen müssen. In Österreich werden auf Airbnb mittlerweile rund 15000 Unterkünfte angeboten, rund 7700 davon in Wien. Diese Abgabe beträgt in Wien zwischen 2,5 und 2,8 Prozent vom Nettopreises für die Übernachtung.


ManSprichtDeutsch.cz, Prag 14.03.2017