Wirtschaft in Tschechien

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Arm trotz Arbeit

Tschechien jubelt: Laut dem Tschechischen Statistikamt lag die Arbeitslosenquote zum 28.2.2017 bei 5,1 Prozent. Damit ist sie die niedrigste in der gesamten EU.

"Dieses Ergebnis ist ein Beweis, dass die Regierung die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt nicht einmal in Konjunkturzeiten unterschätzt", freut sich Ministerpräsident Bohuslav Sobotka. "Wir müssen diese guten wirtschaftlichen Voraussetzungen nutzen und so viele wie möglich zurück auf den Arbeitsmarkt bekommen", sagt Sobotka. Denn, so der Regierungschef: "Es ist wichtig den Leuten Arbeit und auch würdige Arbeitsbedingungen zu verschaffen, einschließlich einer adäquaten finanziellen Entlohnung.    

Bei der hapert es allerdings. In einem EU-weiten Vergleich von Löhnen und Gehältern in 22 Mitgliedsstaaten, steht Tschechien abgeschlagen an 18. Stelle. Einer Studie des EU-Statistikamts Eurostat zufolge, sind Mindestlohn von 11 000 Kronen (rund 400 Euro) wie auch der Durchschnittslohn von 27 000 Kronen (etwa 1000 Euro) einer der niedrigsten in der Union. Nur in Lettland, Litauen, Bulgarien und Rumänien verdient man noch weniger.

Standortvorteil

Von einer anderen Perspektive aus gesehen, ist das niedrige Lohnniveau ein Standortvorteil für Tschechien. "Die Lohnkosten waren das schlagende Argument", erklärte Anke Neubert, Geschäftsführerin des sächsischen Automobilzulieferers Köstler kürzlich der Chemnitzer Tageszeitung "Freie Presse". Bei Köstler, einem Traditionsbetrieb, der bis 1945 im nordböhmischen Kraslice (Graslitz) angesiedelt war, verdienen Arbeiter im Durchschnitt 800 - 1200 Euro, weit unter dem deutschen Mindestlohn von knapp 1600 Euro. Das Einstiegsgehalt, so Neubert, liege aber bei 450 Euro. Allein aus Sachsen haben sich, so bestätigt die deutsch-tschechische Industrie und Handelskammer, rund 1500 Firmen in Tschechien angesiedelt. Dank der niedrigen Lohnkosten könnten sie so ihre Wettbewerbsfähigkeit besser erhalten, so das Argument. Die Firma Köstler plant deswegen sogar, in ihrem Werk in Komotau zu expandieren und zusätzliche 100 Arbeitsplätze zu schaffen. Forschung und Entwicklung sollen allerdings auf der deutschen Seite des Erzgebirges bleiben.

Teure Mieten

Aller positiven Beschäftigungszahlen zum Trotz lebt laut offiziellen Statistiken  vier Prozent der arbeitenden Bevölkerung und 15 Prozent der Kinder unter 15 Jahren jenseits der Armutsgrenze. Was die Statistik nicht berücksichtigt, ist die wachsende Zahl derer, die zwei oder mehr Jobs annehmen müssen, um einigermaßen über die Runden zu kommen.  Zwei Drittel der Haushalte in Tschechien verdienen nicht genug fürs Sparschwein, sondern leben von einem Monat auf den anderen.

Was eindeutig das meiste Geld frisst, sind die Mieten. Die steigen doppelt so schnell wie die Löhne. Allein in den letzten zwei Jahren sind die Mieten für eine Dreizimmerwohnung um 16 Prozent angestiegen. Im Durchschnitt beträgt die Miete  für eine Dreizimmerwohnung außerhalb der Stadtzentren 13582 Kronen (500 Euro) und in den Innenstädten 18 274 Kronen (680 Euro). Das bedeutet, dass zwischen 50 und 70 Prozent des Bruttolohns für Mietzahlungen draufgehen.


ManSprichtDeutsch.cz (amo/red), Prag 08.03.2017