Wirtschaft in Tschechien

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Andrej Babiš: Tschechien braucht eine Vision und eine duale Ausbildung

Kaufland-Chef Karnath und Brose-Geschäftsführer Pfüller sind neue Vorstandsmitglieder der DTIHK

Der stellvertretende Premier und Finanzminister Tschechiens Andrej Babiš lobte am Donnerstag die ausgezeichnete Entwicklung der deutsch-tschechischen Wirtschaftsbeziehungen, auch wenn es noch Herausforderungen für die Zukunft gebe. Als eine große Mangelerscheinung betrachte er die „Absenz einer Verkehrsverbindung zwischen der Tschechischen Republik und Deutschland, die von Ihrer Qualität her unseren überdurchschnittlich guten Beziehungen entsprechen würde“, erklärte Babiš als Gastredner vor den Mitgliedern der DTIHK anlässlich der diesjährigen Hauptversammlung. Ein Problem sei gerade auch die immer noch schlechte Verkehrsverbindung auf der Strecke Prag, Dresden, Berlin. Es fehle in Tschechien an einer Vision. Das betreffe auch Problemfelder wie das tschechische Ausbildungssystem.

„Wenn alle Politiker an einer gemeinsamen Vision dieses Staates arbeiten würden, dann wären wir schon weiter“, erklärte Minister Babiš vor rund 160 Gästen. Eine mangelnde Vision im Bereich Infrastruktur habe dazu geführt, dass der Investitionsstandort Tschechien im Wettbewerb um eine neue Fabrik von Landrover-Jaguar gegenüber der Slowakei den Kürzeren gezogen habe.


v.l.: Bernard Bauer (Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der DTIHK), Andrej Babiš (stellvertretender Premierminister der Tschechischen Republik) und Axel Limberg (DTIHK-Präsident)

Die DTIHK-Mitgliedsunternehmen nahmen die Gelegenheit wahr, um weitere wirtschaftspolitische Themen mit dem Vizepremier zu diskutieren, wie zum Beispiel den Ausbau von Investitionsanreizen oder auch den sich verschärfenden Fachkräftemangel. In der jüngsten DTIHK-Konjunkturumfrage hatten die Investoren den Fachkräftemangel zum größten Standortproblem erklärt. „Es fehlt uns selbstverständlich ein duales Ausbildungssystem, wie Deutschland es hat“, so Babiš. Gerade die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen, Mittelschulen und Unternehmen sei eine Voraussetzung für eine praxisorientierte Ausbildung. Außerdem sollten Eltern ihren Kindern klar machen, dass „nicht jeder ein Hochschuldiplom braucht“, auch Ausbildungs- und Handwerksberufe böten interessante Perspektiven. Seit vielen Jahren setzt sich die DTIHK gerade für eine Reform des Ausbildungssystems ein.

Auf die Frage, wie er zur Euroeinführung stehe, fand Finanzminister Babiš klare Worte. Die Eurozone sei ein typisches Beispiel für eine politische Entscheidung, obwohl es ein Wirtschaftsprojekt sei. „Aber das Projekt hat sich zu einem politischen Projekt gewandelt, und das ist schlecht“, so Andrej Babiš.

Vor dem Auftritt des Finanzministers hatte die DTIHK-Hauptversammlung zwei neue Mitglieder in den DTIHK-Vorstand gewählt: den Kaufland-Chef für Tschechien, Christian Karnath, und Niclas Pfüller-von Wobeser, den Geschäftsführer des Automobilzulieferers Brose CZ. Karnath und Pfüller lösen im Vorstand den DTIHK-Vizepräsidenten und Generaldirektor von Veletrhy Brno Jiří Kuliš und den RWE-Chef Martin Herrmann ab.


Quelle: Pressemitteilung DTIHK, Prag 21.05.2016

Deutsch-Tschechische Industrie- und Handelskammer (DTIHK)
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