Wirtschaft in Tschechien

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DTIHK-Konjunkturumfrage 2016: Tschechien ist nach vier Jahren wieder MOE-Primus

Die aktuelle Wirtschaftslage in Tschechien ist nach Ansicht ausländischer, überwiegend deutscher Investoren ausgezeichnet. Das ergab die jüngste Konjunkturumfrage der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer (DTIHK). Die Stimmungslage zeigt sich in den Umfragewerten fast wieder so gut wie im Rekordjahr 2008, kurz vor der Krise. Auch wenn die Aussichten für das gesamte Jahr etwas zurückhaltender beurteilt werden, rechnen die Unternehmen mit einer deutlichen Steigerung bei Beschäftigungszahlen, Investitionsausgaben und Löhnen. Tschechien ist im mittelosteuropäischen Vergleich unter 16 Ländern das attraktivste. Aber die Umfrage enthält auch eine deutliche Warnung: Die mangelnde Verfügbarkeit von Fachkräften sehen die Investoren mittlerweile mit Abstand als den größten Standortnachteil in Tschechien.


Breite Zufriedenheit mit der Wirtschaftslage

Das Land bewegt sich derzeit auf einem sehr hohen Niveau. Das zeigt sich insbesondere darin, dass – wie im Jahr zuvor – 92 Prozent der Investoren Tschechien wieder als ihren Standort wählen würden. Bei der positiven Einschätzung der Wirtschaftslage erleben wir das zweite Jahr in Folge beinahe eine Verdopplung: Mehr als die Hälfte der Unternehmen, insgesamt 56 Prozent, schätzen die Wirtschaftslage als „gut“ ein. Ein Jahr zuvor war der Wert von 16 auf 29 Prozent gestiegen. Im Gegenzug halten aktuell nur 4 Prozent die gegenwärtige Wirtschaftslage für „schlecht“. Das sind Werte, die nur im Frühjahr 2008, auf dem Höhepunkt des wirtschaftlichen Aufschwungs kurz vor dem Ausbruch der Krise, noch etwas besser waren.


Stabilität bei den Wirtschaftsaussichten

Was die Erwartung eines weiteren Wirtschaftsaufschwungs betrifft, so lesen wir auch hier gute Nachrichten, auch wenn die Unternehmen etwas zurückhaltender sind als im Vorjahr. 34 Prozent (2015: 33 Prozent) erwarten bessere Aussichten für den Jahresverlauf. Gut jedes zweite Unternehmen erwartet für den Jahresverlauf eine stabile Entwicklung, und 10 Prozent befürchten eine Verschlechterung, mehr als doppelt so viele wie im Jahr zuvor. „Die Wirtschaft hat sich zuletzt schon sehr gut entwickelt. Hinzu kommen die Unsicherheiten der geopolitischen Großwetterlage, so dass die Unternehmen etwas vorsichtiger in die Zukunft blicken. Das zeigt sich auch, wenn wir die aktuelle Geschäftslage der Unternehmen und im Gegenzug die Zukunftsaussichten betrachten. Im Ganzen zeichnet sich im Vergleich zum vergangenen Ausnahmejahr eher stabiles Wachstum ab, mittelfristig eine Verlangsamung“, erklärt DTIHK-Geschäftsführer Bernard Bauer.


Unternehmen bei Umsatzprognose und Exportaussichten optimistisch

Der Erfolg 2015 hängt auch mit Einmalfaktoren zusammen, wie der erfolgreichen Abschöpfung von EU-Mitteln, die der Wirtschaft im letzten Jahr wichtige Impulse gaben. Dank niedriger Arbeitslosenquote und steigender Reallöhne bleiben aber auch die Privathaushalte ein wichtiger Konjunkturfaktor. Dem entsprechen zuversichtliche Umsatzprognosen der Firmen. Abermals geht mehr als die Hälfte von ihnen von einer Steigerung aus. Beim Exportabsatz, der gerade bei vielen deutschen Unternehmen einen großen Anteil ausmacht, rechnen wie im letzten Jahr knapp 40 Prozent mit einer Zunahme. Nur 5 Prozent – dieser Wert hat sich im Vergleich zum Vorjahr halbiert – gehen von sinkenden Exporten aus.


Positive Signale auch bei Beschäftigung und Investitionen

Erfreulich ist auch, dass 41 Prozent der Unternehmen (8 Prozentpunkte mehr als 2015) mit einer Steigerung ihrer Investitionsausgaben rechnen. „Ein wichtiges Signal. Dazu gehören nach Aussagen vieler Mitgliedsfirmen auch Investitionen in die Digitalisierung der Unternehmens- und Kommunikationsstrukturen sowie der Produktion. Gerade in diesem Bereich muss sich das Land gut aufstellen, um in einer innovationsgetriebenen Zeit ganz vorne mitspielen zu können“, so Bernard Bauer. Anders als viele befürchten, zeichnet sich im Zuge der Digitalisierung bisher nicht ab, dass die intelligente Maschine den Menschen ersetzt: 44 Prozent der Firmen planen, im Jahresverlauf mehr Mitarbeiter einzustellen – eine Zunahme von 9 Prozentpunkte im Vergleich zu 2015.


Dramatischer Absturz bei der „Verfügbarkeit von Fachkräften“

Die diesjährige Konjunkturumfrage offenbart aber auch, wie dramatisch die Situation bereits in Sachen Fachkräftemangel ist. Den Standortfaktor „Verfügbarkeit von Fachkräften“ haben die Unternehmen in Tschechien auf den letzten Platz von insgesamt 21 Faktoren verbannt – tiefer geht nicht. Ein Absturz um sieben Plätze innerhalb eines Jahres. „Dieser Trend muss gestoppt werden, denn er wird in Tschechien zum limitierenden Faktor – sowohl für die Entwicklung der bereits bestehenden Investitionen als auch für neue Investitionsentscheidungen. Dies betrifft leider nicht nur hochqualifizierte technische F&EMitarbeiter, sondern auch übliche Berufe direkt in der Produktion“, erklärt Pavel Roman, Leiter Unternehmenskommunikation der Bosch-Gruppe in Tschechien und DTIHK-Vizepräsident. Dementsprechend haben die Firmen auch den Daumen weiter gesenkt für das tschechische Berufsbildungssystem, das die praktische Ausbildung nicht in die Unternehmen verlagert: Platz 16 im Faktoren-Ranking. Fachkräftemangel führt zu einer empfindlichen Steigerung der Gehälter und gefährdet die Konkurrenzfähigkeit. Der Standortfaktor „Arbeitskosten“ wurde daher auf Platz 10 verwiesen – ein Abfall um 6 Plätze im Vergleich zu 2015. Diesen Trend hat schon die aktuelle Vergütungsstudie der DTIHK und Kienbaum Management Consultants aufgezeigt.


MOE-Vergleich: Tschechien wieder Primus

Tschechien hat sich im mittelosteuropäischen Standort-Ranking von Polen den Platz 1 zurückgeholt – nach vier Jahren. Denn Tschechien kann weiterhin auf eine Reihe guter Standortqualitäten bauen. Die EU-Mitgliedschaft ist am wichtigsten, aber im MOE-Kontext kein Alleinstellungsmerkmal. Regelrecht glänzen kann Tschechien aber mit seiner Qualität und Verfügbarkeit lokaler Zulieferer, allen voran in der Automobilindustrie. Die Produktivität und Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmer sowie ihre Qualifikation belegen gleich danach Platz 3 und 4. Neu unter den Top-5-Faktoren ist die „Berechenbarkeit der Wirtschaftspolitik“, die eng mit einer nun schon zwei Jahre anhaltenden politischen Stabilität einhergeht.


Die Ergebnisse der DTIHK-Konjunkturumfrage 2016 (pdf)



Quelle: Pressemitteilung DTIHK, Prag 05.04.2016

Deutsch-Tschechische Industrie- und Handelskammer (DTIHK)
www.tschechien.ahk.de
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