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Kamil Blažek: Deutsch fehlt es an „Werbung“

„Deutsch für die Karriere" In dieser Serie befragen wir erfolgreiche Managerinnen und Manager, wie Deutschkenntnisse ihre Karriere beeinflussten. Im heutigen Gespräch stellen wir Kamil Blažek, Partner in der Anwaltskanzlei Kinstellar und den Vorsitzenden des Verbandes für Auslandsinvestitionen, vor. 

Wann hatten Sie zum ersten Mal Kontakt mit Deutsch? Was war für Sie der Grund, Deutsch zu lernen?

Zum ersten Mal begegnete ich Deutsch an der Sprachschule, das war in der Primarstufe, etwa in der vierten Klasse. Dann besuchte ich die Staatliche Sprachschule und nahm später Privatstunden. Danach lernte ich Deutsch am Gymnasium. Mein Deutsch verbesserte ich dann vor allem bei der Arbeit während des Studiums, ich arbeitete viel mit deutschen Kunden und für deutsche Unternehmen -in einem Anwaltsbüro sowie als Dolmetscher und Übersetzer, beispielsweise für eine Vereinigung deutscher Versicherungsmakler usw. An der Juristischen Fakultät der Karls-Universität fuhr ich damit fort -diesmal mit Deutsch für Juristen. Im dritten Jahr studierte ich ein Jahr lang an einer Universität in Deutschland das europäische und deutsche Recht, natürlich alles auf Deutsch. Auch dort verbesserte ich meine Deutschkenntnisse natürlich noch in mehreren Hinsichten. Deutsch lernte ich, weil ich Fremdsprachen allgemein mochte und weil mich meine Eltern dazu führten. Deutsch lernte ich eigentlich parallel zu der russischen Sprache, obwohl ich mit Deutsch etwa ein Jahr früher angefangen hatte.

Forcierten Ihre guten Deutschkenntnisse Ihre Laufbahn? Wie nutzten Sie Deutsch in Ihrem Beruf?

Sicher halfen mir meine Deutschkenntnisse. Am Anfang der neunziger Jahre, wo ich noch als Student 1991 bei einer der damaligen großen tschechischen Anwaltskanzleien startete, betreuten wir vor allem Kunden aus Deutschland und Österreich -also war die Kenntnis der deutschen Sprache zu dem Zeitpunkt für mich von großer Bedeutung. Dass ich Deutsch täglich nutzen konnte, half mir, meine Kenntnisse zu vertiefen und Deutsch in der Praxis, nicht nur aufgrund der Schulkenntnisse zu verwenden -und das macht immer viel aus. Ich fing an, juristische Texte zu übersetzen, Verträge und sonstige Dokumente in der deutschen Sprache zu verfassen. Natürlich sprach ich in den Sitzungen auf Deutsch, ich übersetzte und dolmetsche die deutschsprachigen Treffen. Es war so, als ob man ins kalte Wasser springen würde -aber das ist wohl die beste Art, Dinge zu lernen -wie man auf Englisch treffend sagt: Learning by Doing. Da ich schon vorher relativ gut Deutsch sprechen konnte, gelang es mir auch, an der Universität Regensburg ein Stipendium zu erhalten und parallel dazu während des Studiums mehrere Praktika in Anwaltsbüros in Deutschland oder ein Praktikum bei der Europäischen Kommission usw. zu absolvieren. Bis 1999 arbeitete ich vorwiegend für deutschsprachige Kunden und Deutsch war für mich sowohl mündlich als auch schriftlich sehr wichtig. Deutsch nutzte ich natürlich auch im gesellschaftlichen Kontakt sowie informell, sei es bei vielen Besuchen von Gruppen deutscher Juristen-Referenten, mit denen ich über den Verein der tschechischen Rechtsanwälte Všehrd über das Studien-oder Rechtssystem in der Tschechoslowakei und in Tschechien diskutierte und Vorträge organisierte usw. Klar knüpft man so auch viele Beziehungen an, macht viele Arbeitserfahrungen, die einem weiterhelfen, die einen neuen Start bedeuten.

Ist für Sie Deutsch auch außerhalb Ihres Berufs wichtig? Interessieren Sie sich für Kultur, Literatur usw. der deutschsprachigen Länder?

Deutsch ist für mich (und war immer) auch außerhalb des Berufs wichtig. Es ist eine sehr schöne Sprache, ich spreche es daher gern. Und ich habe in Deutschland, aber auch in Österreich viele Freunde und Bekannte, die Kommunikation auf Deutsch funktioniert unter uns einfach besser als auf Englisch. Ich schaue gern deutsches Fernsehen und Filme im Original, lese natürlich deutsche Bücher und Zeitungen -wenn man bedenkt, in welchem Zustand sich die tschechische Presse heute befindet, so liegt es auf der Hand, dass einige deutschsprachige Druckschriften (z. B. die Schweizer Neue Zürcher Zeitung) eine sehr willkommene „Informationsbelebung" bringen. Ich bin Rechtsanwalt -abgesehen davon bin ich aber beispielsweise auch in der Vereinigung Karlsbader Juristentage tätig, einer Gesellschaft deutscher, tschechischer, slowakischer und österreichischer Juristen, in der ich seit fast zwanzig Jahren Geschäftsführer bin. Nächstes Jahr im Juni werden wir die XX. Karlsbader Juristentage organisieren. Die Menschen, die auf dieser Plattform aus vier Ländern zusammenkommen, kommunizieren zusammen natürlich sehr oft eben auf Deutsch. Auch wenn so rechtliche Themen behandelt werden, ist das nicht unbedingt Arbeit oder Beruf, eher ein Hobby. Es ist erfreulich, dass man die Rechtskultur in Tschechien ein bisschen verbessern kann und dass sich die Juristen und Rechtssysteme der vier mitteleuropäischen Länder besser kennenlernen.


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Source: „Deutsch für die Karriere" (ČIA - Česká informační agentura / Tschechien am Morgen)