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Dieser blutjunge Konservative rockt die Tschechen

Von Hans-Jörg Schmidt

Der 20-jährige Dominik Feri ist in Tschechien ein Star mit 60.000 Facebook-Abonnenten. Mit Witzen über EU-Gegner und den „Czexit“ hat er beste Chancen aus der Provinz in das Parlament einzuziehen.

Harte Tage waren das gerade für Dominik Feri. An der juristischen Fakultät der Prager Karls-Universität jagte eine Zwischenprüfung die andere. Und zwischen den Prüfungen kam er auch zu nichts, nicht mal zu einem ordentlichen Bier, um sich für seine Ergebnisse zu belohnen. Ständig muss er Dutzenden Einladungen folgen. Vor allem angehende Abiturienten wollen mit ihm debattieren.

Jüngst, im Gymnasium Jan Neruda in Prag, reichten die Stühle nicht für die Interessierten. Feri machte sich einen Jux daraus, beklagte auf seiner Facebook-Seite augenzwinkernd, dass das tschechische Schulwesen tatsächlich total unterfinanziert sei, wenn nicht einmal ausreichend Stühle in einem Gymnasium aufzutreiben seien.


Karel Schwarzenber (links) und Dominik Feri (Foto: Dominik Feri FB)


Feri ist kaum älter als seine Zuhörer, gerade mal 20 Jahre jung. Und doch ist er in Tschechien schon ein Star. Keiner, der sportliche Höchstleistungen vollbringt, keiner, der ein überragendes Gesangstalent bei „Tschechien sucht den Superstar“ unter Beweis stellen würde, wiewohl er in seiner knapp bemessenen Freizeit Jazz spielt. Feri ist begeisterter Jungpolitiker und sucht andere junge Leute ebenfalls für sein Hobby zu begeistern.

Sein für einen Tschechen ungewöhnliches Aussehen ist ihm dabei von Vorteil. Die Rasta-Mähne hat er, wie seinen Familiennamen, vom Großvater väterlicherseits geerbt, der aus Äthiopien stammt. Des Enkels Konterfei ziert zunehmend die Illustrierten in Tschechien, wie beispielsweise den Titel der ersten Nummer der tschechischen Ausgabe von „Newsweek“.

In der Monatszeitschrift der in Tschechien lebenden deutschen Minderheit, dem „Landesecho“, hat er eine feste Kolumne. Dort beschreibt er das nicht ganz einfache Leben der Leute in einer einst sudetendeutschen Ecke Tschechiens, in der er groß geworden ist.

„Hast du Arbeit?“

Die Region um Teplice (Teplitz) ist Braunkohlegebiet, leidet unter Umweltdreck, hoher Arbeitslosigkeit und niedrigen Löhnen, kurz: Sie ist abgehängt vom Fortschritt anderswo, ganz zu schweigen von Prag, der Stadt mit dem größten Wohlstand in den noch jungen EU-Ländern. „Bei uns fragt man nicht: ‚Was macht die Arbeit?‘ Bei uns fragt man: ‚Hast du Arbeit?‘“

In Teplitz sorgte er vor zwei Jahren für Furore. Als Nachrücker zog er in den neunköpfigen Stadtrat ein. Da war er 18 Jahre alt. Er trat aus Bewunderung für den früheren Kanzleichef Václav Havels, Karel Schwarzenberg, in dessen konservative, EU-freundliche Partei TOP 09 ein.

Jetzt ist Feri auf dem ganz großen Sprung aus der Provinz ins tschechische Abgeordnetenhaus. Auch wenn er sich freiwillig auf den letzten Platz der Kandidatenliste seiner Partei setzen ließ, wird er nach den Wahlen im Oktober kein unbeachteter Hinterbänkler werden. Er könnte im Gegenteil die meisten Direktstimmen aller TOP-09-Kandidaten einheimsen.

Feris Geheimwaffe ist Facebook. Dort hat er mehr als 60.000 Abonnenten. Das ist einsamer Rekord im ganzen Land. „Freunde“ kann er gar keine mehr aufnehmen, das verbieten die Regularien des sozialen Netzwerks. Jeder Eintrag von ihm wird mehrere Tausend Mal „geliked“. Auch, weil sie witzig sind. So macht er sich regelmäßig über die EU-Gegner in Tschechien lustig, immerhin rund 70 Prozent der Wählerschaft.

Jüngstes Beispiel für einen seiner Posts: „Wegen dieser EU werden wir künftig im Ausland billiger telefonieren müssen. Dieses ständige EU-Diktat ist unerträglich! Wählen wir den Czexit!“ Das kommt an bei den jungen Leuten in Tschechien. Die anderen, die vom Czexit – dem Austritt des Landes aus der EU – träumen, lässt er damit fassungslos und wütend zurück.

Feri belässt es aber nicht bei provokatorischen Blödeleien. Er kann auch sehr ernsthaft sein. Ihm geht es darum, dass die jungen Tschechen über die das Land umschließenden Gebirge Richtung Westen hinaussehen. Jeder Student, so forderte er jüngst nach einer Tagung des TOP-09-Präsidiums, müsse zumindest für ein halbes Jahr Luft im Ausland schnuppern.

Bei diesem Pressetermin stand Feri zum ersten Mal vor der versammelten Parteiführung vor den Mikrofonen und Kameras. Und die „Alten“ im Hintergrund erfreuten sich sichtbar an der offenen, überzeugenden Art des „Jungstars“.

Und doch gelingt dem jungen Polit-Shootingstar nicht alles. Als er im Stadtrat von Teplitz vorschlug, nach dem Beispiel der Stadt Brünn eine Erklärung zu verabschieden, in der die Stadt die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg bedauert, scheiterte er. Für diese Idee schlug ihm auch reichlich Protest tschechischer „Patrioten“ entgegen.

Doch das ficht ihn nicht an. „Wenn ich von der Öffentlichkeit nur freundlich getätschelt werden wollte, würde ich alten Leuten über die Straße helfen“, hakt er derartige Niederlagen ab – wischt sich über den Mund und kämpft weiter: „Politische Diskussionen sind hart. Hart wie das Sudetenland, in dem ich aufgewachsen bin.“

 

ManSprichtDeutsch.cz, Prag 16.02.2017