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Alexander Grubmayr: Neuer österreichischer Botschafter in Tschechien

Sprachgewandter Kosmopolit intensiviert bilateralen Dialog

Von Kindheit an bewegt sich Alexander Grubmayr auf dem politischen Parkett. Nach intensiver Reisetätigkeit rund um den Globus ist er Anfang des Jahres als österreichischer Botschafter nach Prag gezogen. Was ihm das Ankommen erleichterte, welche Projekte ihm besonders am Herzen liegen und wo er ein Gefühl von Heimat verspürt, verriet er ManSprichtDeutsch.cz

Der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer, Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl, Landwirt­schafts- und Umweltminister Andrä Rupprechter, zwei Landeshauptmännner und der Generalsekretär des Außenministeriums Michael Linhart – seit einem halben Jahr erst ist Alexander Grubmayr designierter Botschafter von Prag, aber seine Besucherliste ist schon jetzt beachtlich und liest sich wie das Who is Who der höchsten österreichischen Politiker und Beamten. „Außenminister Zaorálek hat von einer 'Renaissance der österreichisch-tschechischen Beziehungen gesprochen. Wir sind überglücklich, dass es nun einen breiten bilateralen Austausch gibt, nicht nur einen Dialog, sondern auch einen Besuchsaustausch“, sagt er. Dazu gehört auch das erste Treffen von Parlamentariern aus der Grenzregion, das Anfang April im südböhmischen Slavonice stattfand. Das Wissen um die Bemühungen beider Länder, politisch aufeinander zuzugehen sowie seine Tschechischkenntnisse, die ihm einfache Gespräche ermöglichen, haben dem 51-jährigen den Start auf seinem ersten Botschafterposten leicht gemacht. Der Kosmopolit ist in Prag angekommen.

In der Welt zu Hause, in den Bergen daheim

Das Leben als Diplomat bekam Grubmayr quasi in die Wiege gelegt, trotzdem hat er zuerst eine andere Laufbahn eingeschlagen. 1964 als Sohn des Botschafters Herbert Grubmayr in Mexiko geboren, verbrachte er seine Kindheit und Jugend an brisanten Schauplätzen des 20. Jahrhunderts: Kolumbien, Irak, Syrien, die UdSSR. „Ich habe im Rahmen des Diplomatenberufes auch dessen Nachteile kennengelernt und war am Anfang nicht so sicher, dass ich das auch machen möchte. Erst nachdem ich in der Privatwirtschaft im juristischen Bereich tätig war, habe ich mich umentschieden“, besinnt sich Grubmayr auf den Beginn seines Berufslebens zurück.

Nach einem Jurastudium in Wien und einem anschließenden Masterstudium in New York war er zunächst dort in einer Anwaltskanzlei tätig, bevor es ihn wieder in die Donaumetropole zog. Dort übernahm er die Leitung der Rechtsabteilung in der Industriellenvereinigung. 1995 folgte der Wechsel ins Außenministerium und damit in den diplomatischen Dienst: „So sehr mich auch die juristische Seite der Wirtschaft interessiert hat, galt und gilt mein überwiegendes Interesse doch den politischen Zusammenhängen, vor allem der internationalen Politik“, sagt er. Es folgten Entsendungen an die Botschaften in Caracas in Venezuela und Rom, danach war Grubmayr 15 Jahre lang Protokollchef in der österreichischen Präsidentschaftskanzlei. Gegen Ende kam zu seinen fünf Fremdsprachen noch eine sechste dazu – Tschechisch. „Ich möchte keinen Tag missen, den ich für die Bundespräsidenten Fischer und Klestil tätig war. Die Arbeit ist aber mit einer sehr intensiven Reisetätigkeit verbunden, die dem Körper auf Dauer doch einiges abverlangt“, sagt er. Zum Ausgleich fährt er gerne Rad oder wandert in den österreichischen Bergen. „Neben Wien sind sie es, die mir ein Gefühl von Heimat geben, obwohl ich nicht dort geboren und aufgewachsen bin“, fügt er hinzu.

Verkehr und Energie im Fokus

In Prag, seinem neuen Zuhause, hat Grubmayr mit Elan eine umfangreiche Agenda in Angriff genommen. „So viele Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs haben wir immer noch keine durchgehende Autobahnverbindung zwischen Prag und Wien und auch der Eisenbahnausbau auf 160 km/h zwischen Prag und Wien ist noch nicht dort, wo wir ihn gern hätten. Derzeit wird an einer Verringerung der Fahrtzeit auf 3 Stunden 45 Minuten gearbeitet. Spätestens 2020 sollten wir dort angelangt sein“, meint er.

Die Abstimmung der Verkehrsinfrastruktur ist schon seit vielen Jahren ein Thema. Während Österreich beim Straßenausbau die Nase vorn hat, sind die Tschechen beim Ausbau des Schienennetzes federführend, zumindest auf der Strecke Prag – Wien und Prag – Budweis. „Das sind Projekte, die wir vorantreiben wollen, die aber viel Zeit in Anspruch nehmen. Viel mehr Zeit, als sich ein Botschafter in einem Land aufhält“, sagt der Vater einer 11-jährigen Tochter.

Dasselbe gilt auch für das Energiethema. Bis 2050 sollen die erneuerbaren Energien 20 Prozent des gesamten Energiemixes ausmachen. „Das finden wir gut, aber wir werden uns weiterhin dafür stark machen, dass sie eine noch größere Rolle spielen“, meint Grubmayr. Weiters beschäftigen sich er und sein Team mit den Fragen der dualen Ausbildung, dem Jugendaustausch, der Raumplanung und Maßnahmen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie. Dazu kommen immer wieder tagesaktuelle Fragen wie etwa jene der Migrationspoliltik.

Themen ohne Hemmschuh diskutieren

Die Einrichtung von Gremien hilft, dass Themen nicht im Diskussionsstadium verharren, sondern in konkrete Maßnahmen münden. Seit 2015 gibt es daher die Gruppe 2+6, die sich aus den Botschaftern Österreichs und Tschechiens, den Kreisamtsdirektoren der drei südlichen Kreise Südmähren, Südböhmen und Vysočina sowie den Landesamtsdirektoren der drei Bundesländer Niederösterreich, Oberösterreich und Wien zusammensetzt. Sie bereitet Inhalte vor, die auf politischer Ebene durch beide Außenminister, die drei Landeshauptmänner und drei Kreishauptmänner diskutiert und in Folge beschlossen werden sollen. „Durch die Zusammensetzung aus Vertretern des Gesamtstaates wie auch der Bundesländer oder Kreise sollen die Kompetenzabgrenzungen überwunden werden. Somit können Entscheidungsträger Themen weitgehend ohne den Hemmschuh der Zuständigkeiten und Befugnisse diskutieren und Projekte gemeinsam angehen“, sagt Grubmayr.

In Arbeit ist derzeit auch das gemeinsame Geschichtsbuch, das noch von seinem Vorgänger Botschafter Ferdinand Trauttmansdorff initiiert wurde. 2017 soll das von österreichischen wie tschechischen Historikern verfasste Werk erscheinen und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Fortgeführt werden soll auch die sogenannte Austerlitzer Zusammenarbeit, das trilaterale Treffen zwischen Österreich, Tschechien und der Slowakei.

„Die bilateralen Beziehungen sind heute nicht mehr auf die Reizthemen Kernenergie und Beneš-Dekrete eingeengt, sondern bestehen aus einem viel breiteren Dialog und können sich entfalten“, so Grubmayr. Ein gemeinsames Dokument ähnlich der „Deutsch-tschechische Erklärung über die gegenseitigen Beziehungen und deren künftige Entwicklung“, die 2017 ihr 20-jähriges Jubiläum feiert, sei zur Zeit nicht geplant, meint Grubmayr und ergänzt: „Wir sind in Kontakt mit jenen Kräften in der Tschechischen Republik, die dem Thema der Beleuchtung der Vergangenheit aufgeschlossen gegenüber stehen. Dieser Dialog ist immens wichtig und wir sind darum bemüht, ihn ständig zu intensivieren.“

ManSprichtDeutsch.cz - Sandra Dudek, Prag 29.07.2016 
(Foto: Österreichische Botschaft Prag)