Politik in Tschechien

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Zum 25. Jahrestag der Samtenen Revolution: Interview mit Dana Horáková

Zeitzeugen im Gespräch: Die Dissidentin Dana Horáková

Die Dissidentin Dana Horáková spielte in der tschechischen Bürgerrechtsbewegung eine zentrale Rolle. Sie verlegte, zusammen mit Václav Havel, illegale Texte und organisierte verbotene Treffen. Schließlich wurde die Universitätsdozentin aber verhaftet und ins Exil verdrängt. In Deutschland arbeitete sich Horáková von einer Putzfrau bis zur Kultursenatorin hoch.

 
Dana Horáková (Foto: Vebidoo)
ManSprichtDeutsch.cz: Ihre Wohnung in Prag galt in den siebziger Jahren als Treffpunkt regimekritischer Dichter, Theologen, Schauspieler usw., dass klingt spannend, verbotene und geheime Treffen, bei denen sich indizierte Texte vorgelesen werden: Können Sie uns von einem solchen Treffen erzählen?

Horáková: Gerne, die Wohnung war nicht wirklich geheim und es gab keine verborgenen Treppen. Es war in der Pariser Straße, das heißt zentral in der Stadt neben dem Altstädter Ring im ersten Stock. Es war eine geteilte Wohnung, wie es damals üblich war, damit nicht eine Familie eine zu große Wohnung hätte und ich wusste seit einiger Zeit, dass die zweite Familie, die da wohnte, für die Stasi arbeitete, das heißt ich wurde 24 Stunden am Tag abgehört, beobachtet, verfolgt  - alles was ich tat. Aber dennoch hatte ich nie meine Tür abgeschlossen,  weil ich einfach diesem Gefühl eingesperrt zu werden entgehen wollte. Ich wollte es einfach ignorieren, um nicht daran zu zerbrechen. Es war so, dass alle Bekannte wussten, jeden Dienstag ist Salon und dann kamen die Leute, es waren meistens so zwischen 30 und 40, und es war nicht so wie in einer Kneipe, es gab immer ein Thema, immer wieder hat irgendjemand einen Vortrag gehalten und dann wurde darüber diskutiert. Übrigens: Wir haben Tee getrunken. 


ManSprichtDeutsch.cz:
Die Charta 77 war eine Petition gegen die Menschenrechtsverletzungen. Als die Charta 1977 veröffentlicht wurde, gehörten sie zu den Unterzeichnern. Dachten sie damals schon, dass das für Sie gefährlich werden könnte?

Horáková: Ich dachte es nicht nur, ich wusste es. Wir alle wussten es. Das war ein regimefeindlicher Akt, den wir das unterzeichnet haben. Aber das war es uns wert. Wir wollten nicht nur im Geheimen meckern und uns ewig ducken,  um nicht an der Seele und am Rückgrat zu verkrüppeln. Also haben wir uns einfach erhoben. Wir haben das Risiko bewusst einkalkuliert, wobei ich gestehen muss, dass ich bis dahin nicht wusste, wie ein Knast aussieht. Aber das war es uns wert. Das Regime war unerträglich und wir wollten nicht mehr schweigen und etwas tun.

ManSprichtDeutsch.cz: Welchen Repressalien waren Sie außer der Haft noch ausgesetzt?

Horáková: Ich bin sofort entlassen worden, ich habe meine Arbeit verloren, obwohl ich damals krank war, da ich operiert worden war. Entlassen, verhört – aber am schlimmsten waren die Repressalien, die nicht die eigene Person trafen. Das Schlimmste war, wenn man sich an die Menschen in meinem Umfeld gewandt hat, und wenn man die verfolgt hat, die ich gerne hatte: meine Schwester, meine Eltern. Meiner Mutter hat man auch angedroht, dass sie herausgeschmissen wird. Diese Erpressung auf Umwegen, das war das Schlimmste.


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Das Interview führte Heiner Koch - ManSprichtDeutsch.cz (Prag 14.11.2014)