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Prager Restitutions-Experte erwartet zunehmende Probleme für die Kirchen

Solidaritätsfonds für ärmere Diözesen eingerichtet

Von Hans-Jörg Schmidt, Katholische Nachrichtenagentur KNA


Prag (KNA) Die zwischen Staat und Kirchen in Tschechien ausgehandelte Restitutionsregelung für das frühere kirchliche Eigentum wird sich für die Religionsgemeinschaften eher negativ auswirken. Zu diesem Schluss kommtder Restitutionsexperte und frühere Minister der Christdemokratischen Partei (KDU-CSL), Cyril Svoboda, in der Zeitung „Lidove noviny“ (Dienstag-Ausgabe).

Für das Verhältnis der mehrheitlich atheistischen Tschechen zu den Kirchen „sehe ich wirklich schwarz“, sagte Svoboda der Zeitung. „Wir stehen vor einer Periode, da die Kirchen Dutzende oder gar Hunderte Prozesse um strittige Fälle mit dem Staat führen wird. Die Öffentlichkeit wird dabei immer auf der Seite des Staates stehen.“ Die Form der Restitutionsregelung sei aus seiner Sicht „nicht glücklich“ gewählt. „Sie wird das Leben der Kirchen auf lange Sicht komplizieren.“

Die Restitution wird nach Meinung Svobodas die Kirchen auch keineswegs finanziell besser stellen. „Ich bin absolut sicher, dass sie vielmehr zu einer dramatischen Verarmung der Kirchen führen wird.“ Die vergleichsweise reichen drei Diözesen in Mähren müssten massiv für die armen im weniger katholischen böhmischen Landesteil aufkommen. Hier sei Solidarität gefordert, spätestens dann, wenn in 17 Jahren der Staat sämtliche Zahlungen zum Unterhalt des kirchlichen Lebens im Gegenzug zur Eigentumsrückgabe einstellen werde.

Die Kirchen in Tschechien seien es zudem nicht gewöhnt, mit ihrem Eigentum zu wirtschaften, erinnerte der frühere chistdemokratische Minister. „Westliche Kirchen tun das schon lange. Bei uns aber ist den meisten Priestern nicht klar, dass sie auch irgendwann etwas mit dem Kircheneigentum anfangen müssen.“

Innerhalb der katholischen Kirche zeichnet sich jedoch bereits auch Solidarität ab. Der Sprecher der Erzdiözese Olomouc (Olmütz), Jiri Gracka, sagte der „Lidove noviny“, man habe den ärmeren Diözesen sofort geholfen, als erste Zahlungen vom Staat für nicht mehr restituierbares Eigentum geflossen sei. In der Olmützer Diözese leben mehr als eine halbe Million Katholiken. In den böhmischen Diözesen Plzen (Pilsen) oder Litomerice (Leitmeritz) sind es vergleichsweise nur halb so viele Gläubige. Die Diözese in Pilsen wurde zudem erst 1993 geschaffen und verfügt kaum über historisches Eigentum. Sie hat Anspruch auf etwa 7.000 Hektar Bodenfläche und 37 Gebäude erhoben. In der Olmützer Erzdiözese geht es um 45.000 Hektar Land und rund 200 Gebäude.

Der Generalsekretär der tschechischen Bischofskonferenz, Tomas Holub, sagte der „Lidove noviny“, die Kirchen wüssten um die Notwendigkeit der Solidarität untereinander. Dementsprechend hätten die Bischöfe bereits einen Solidaritätsfonds eingerichtet. „Diesem Fonds liegen solche Parameter zugrunde wie die Größe der Diözesen und die Zahl der dort lebenden Gläubigen. Alle Diözesen müssen gut funktionieren können“, sagte Holub.

Die Kirchen wollen den größten Teil der Ausgleichszahlungen des Staates für früheres Eigentum, das nicht mehr zurückerstattet werden kann, in Finanzfonds einzahlen. Ein Teil der Gelder soll für die Reparatur von Kirchengebäuden eingesetzt werden, ein weiterer Teil für karitative Zwecke und für kirchliche Schulen. Dagegen ist derzeit in keiner der Kirchen und Religionsgemeinschaften eine Erhöhung der Gehälter der Priester und anderer Würdenträger geplant, obwohl die seit langem unter den durchschnittlichen tschechischen Einkommensniveau liegen.