Nachrichten aus Tschechien

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Die Moldau wird aus ihrem Korsett befreit

Hochwasserschutz im Süden Prags soll erhöht werden
David Binar

Das Flussbett der Moldau soll in der Nähe des Stadtteiles Velká Chuchle (Groß Kuchel) im Süden der Stadt erweitert werden, so planen es zumindest die Stadt Prag und die staatliche Firma Povodí Vltavy (Flussgebiet Moldau). Die dortige Verengung des Flusses kann nämlich bei hohem Wasserstand einen Flaschenhalseffekt schaffen und zu Überschwemmungen führen. Das Projekt erfordert jedoch Änderungen in der Regionalplanung, die voraussichtlich erst im Herbst in Angriff genommen werden können.



Die Moldau soll in der Länge von einem Kilometer hinter einem Wehr in der Nähe der Prager Pferderennbahn Velká Chuchle aus ihrem Korsett befreit werden. Der Fluss verengt sich dort an einigen Stellen auf 71 bis 79 Meter. Gegenwärtig befinden sich an den Ufern Radwege. Auf dem rechten Ufer befindet sich ein Grüngürtel, der Povodí Vltavy, die das Einzugsgebiet betreut, gehört.

Änderungen des Flächennutzungsplanes würden zudem mehr Erholungsmöglichkeiten schaffen, da Teile der Naturlandschaft dementsprechend gestaltet werden könnten. Außerdem soll der Plan auch einen Korridor für eine Hochdruckgasleitung umfassen. Laut Tageszeitung E15 soll das Budget für das Projekt 142,7 Millionen CZK (mehr als 5 Millionen EUR) überschreiten.

Ein weiteres Projekt in der Gegend von Velká Chuchle, das bereits eine Genehmigung erhalten hat, ist die Erweiterung des Baches Vrutice, die dessen Wasserführung erhöhen soll. Der Kanal, in dem sich der Bach gegenwärtig befindet, ist häufig mit Schlamm verstopft und verursacht nach starken Regenfällen Probleme.

Seit den Überschwemmungen im Jahr 2002 hat die Stadt stark in Hochwasserschutz investiert, was sich 2013, als die Moldau erneut über die Ufer trat, ausgezahlt hat. Die meisten Verbesserungen wurden auf der Kampa und in der Nähe des Prager Tierparks vorgenommen, der 2002 schwer beschädigt worden war.

Das Hochwasser im Jahr 2002 war das schwerste seit 1845. Es betraf vor allem die Stadtteile Karlín, Kampa, Holešovice und das ehemalige jüdische Viertel in der Altstadt. Schätzungsweise 40.000 Menschen mussten aus ihren Wohnungen evakuiert werden. Etwa 17 Menschen verloren in Tschechien ihr Leben und die Schäden wurden auf ca. 72 Milliarden CZK (an die 3 Milliarden EUR) geschätzt.

Prag könnte sich ein Beispiel nehmen an der Stadt München, die vor einigen Jahren den Fluss Isar in einigen Abschnitten im Stadtgebiet aus befestigten Ufern befreit und renaturiert hat. Wie die Erweiterung der Moldau soll auch die Isar-Renaturierung einen besseren Schutz vor Hochwasser sowie mehr Raum und Naturnähe für die Flusslandschaft bieten und hat eine höhere Qualität für Freizeit und Erholung schaffen.

Mehr über die Renaturierung der Isar findet man hier: de.wikipedia.org/wiki/Isar-Plan
Renaturierung der Isar im Zeitraffer www.youtube.com

MansprichtDeutsch.cz (Tschech.News), Prag 17.05.2017