Pilsen- Kulturhauptstadt Europas 2015

Als "Kulturhauptstadt Europas 2015“ rückt Pilsen für ein Jahr in den Fokus von Touristen, Kunstschaffenden, Kulturakteuren, Kulturinteressierten und Medien in ganz Europa. Zu diesem Anlass haben wir eine  eine eigene Pilsen 2015 Sektion auf unseren Seiten eingerichtet, um Sie regelmäßig auf dem Laufenden zu halten was sich rund um die Kulurhauptstadt 2015 ereignet. (ManSprichtDeutsch.cz offizieller Medienpartner von Pilsen 2015)


Pilsen hat sich verändert: Ein Rückblick auf zehn Monate Kulturhauptstadt

Pilsen braucht sich um seine Bekanntheit keine Sorgen zu machen: Die Stadt ist weltberühmt für sein Bier und zudem ein wichtiger Industriestandort. „Aber Bier ist nicht alles“, wie es Mirka Reifová, Pressesprecherin von „Plzeň 2015“, dem Organisator der Europäischen Kulturhauptstadt Pilsen, auf den Punkt bringt. Die Stadt hat mehr zu bieten, und gerade das hat sie im laufenden Jahr eindrucksvoll unter Beweis gestellt.


Einer von drei goldenen Brunnen am Pilsener Hauptplatz

„Es freut uns besonders, dass viele neue Touristen den Weg nach Pilsen gefunden haben“, resümiert Reifová. Die Fakten geben ihr recht: Die Anzahl der Übernachtungen ist im Vergleich zu 2013, vor Beginn der ersten Veranstaltungen, um rund 30% gestiegen. Die meisten ausländischen Besucher sind aus Deutschland, danach kommen Österreich und Polen. Inzwischen wird oft der traditionelle Brauereibesuch mit einem Kulturprogramm kombiniert. Die Stadt profitiert somit von ihrem Image, um den Besuchern nun auch Kultur näher zu bringen.

Reifová hofft, dass der rege Kulturaustausch mit dem Ausland bestehen bleibt. „Es ist ein Paradox, dass Deutschland unser nächster Nachbar ist, dass es aber in Pilsen bis vor kurzem kein Festival für deutsche Kultur gegeben hat.“ Ein Anfang ist nun gemacht, die „Bayerischen Tage“ brachten den Drachen aus Furth im Wald, viele Theater- und Musikgruppen und die Regensburger Domspatzen in die Stadt, und auch für nächstes Jahr ist eine Wiederholung geplant.

Seit Januar hat Pilsen eine Fülle von 400 Veranstaltungen erlebt, und weitere 100 sind für die verbleibenden zwei Monate geplant. Dabei richtet sich das Programm nicht nur an Touristen. Auch die Einwohner selbst hatten ihre eigene Stadt oft erst noch zu entdecken. Viele Events versuchten daher, die Ansässigen zu aktivieren und für die Kultur in ihrer Stadt zu begeistern. So etwa bei dem kollektiven Pilsener Familienalbum, zu dem die Bürger fast 3000 Bilder mit persönlichem oder dokumentarischem Wert beigetragen haben, oder dem „Tag der Nachbarn“, bei dem das Angebot von der Grillparty bis hin zur Kakteenausstellung reichte.


Bleibende Veränderungen

Reifová kann bestätigen, dass hier etwas bewegt wurde: „Wir haben Menschen für die Kultur gewonnen, die sonst nicht viel damit anfangen konnten“. Für viele Pilsener war es eine neue Erfahrung: Gigantische Marionetten in den Straßen haben fast 100 000 Besucher angezogen – die größte Veranstaltung dieses Jahres. Die „Saison des neuen Zirkus“ unter der künstlerischen Leitung von Petr Forman hat die Pilsener schließlich dort abgeholt, wo sie zuhause waren, so etwa in den Plattenbausiedlungen am Rande der Stadt und bei den Einkaufszentren. „Die Leute sollen ganz wörtlich in die Kultur hineinlaufen“, erklärt Reifová.

Das Jahr hat jedoch nicht nur Besucher angelockt und Horizonte erweitert, sondern auch bleibende Veränderungen in der Kulturlandschaft Pilsens hinterlassen. Zum Beispiel wurden Flussufer besser für Freizeitaktivitäten nutzbar gemacht, gereinigt und mit Bänken versehen.

Eines der Vorzeigeprojekte der Kulturhauptstadt ist das Depo 2015, einer „kreativen Zone“ in den ehemaligen Werkstatthallen der Pilsener Verkehrsbetriebe. Hier finden sich Ausstellungsräume, eine offene Werkstatt, Workshops für Schulen, ein Inkubator, der Starthilfe für kreative Startups leistet, und ein Café. Das Gelände ist nur rund 10 Minuten zu Fuß vom Stadtzentrum entfernt und täglich geöffnet. Mit seinem dezidierten Fabrikhallenflair knüpft es an das industrielle Erbe der Stadt an und verwandelt es in einen offenen Raum für neue Entwicklungen.

Neben dem erwähnten Familienalbum, das noch bis Ende Januar zu sehen ist, findet sich hier voraussichtlich noch bis Mitte 2016 die Ausstellung RESTART von Čestmír Suška: riesige metallene und teils begehbare Skulpturen, von denen die größte 15 Meter hoch ist.

Das Depo soll in den nächsten Jahren verstärkt eigene Gewinne einfahren. Für noch mindestens zwei Jahre ist der weitere Betrieb geplant, wobei die Stadt etwa die Hälfte der Kosten finanziert.


Eine Reise in die verborgene Stadt

Was würden Sie einem Besucher von Ihrer Stadt zeigen? Diese Frage wurde den Bürgern von Pilsen gestellt, und heraus kamen sieben alternative Routen von fiktiven Stadtführern, jede mit ihrer eigenen thematischen Ausrichtung, durch die unbekannten und oft sehr persönlichen Seiten Pilsens. So etwa beschreibt eine Architektin städtebauliche Entwicklungen und nennt dabei auch problematische Aspekte. Weitere Schwerpunkte sind die Befreiung Pilsens, Brauereien und Bier, oder die Stadt mit den Augen eines Schulmädchens. Die Touren sind als mobile App für Android und iPhone erhältlich, so dass der Besucher auf der Karte die Route nachverfolgen und direkt vor Ort den passenden Beitrag nachlesen oder anhören kann. Wer kein Smartphone hat, kann sich ein Tablet im Infozentrum ausleihen.

Aus dem reichhaltigen Programm der verbleibenden Monate haben wir ein paar Tipps herausgesucht:


  • Der britische Pionier des Bluesrock John Mayall spielt am 31.10. exklusiv in Pilsen.
  • Jiný Pohled (Eine andere Perspektive): Die bemerkenswerte Zusammenschau vergangenger Jahrgänge der „Internationalen Biennale der Zeichnung“ ist noch bis zum 29.11. zu sehen. Die Ausstellung ist auf drei Orte verteilt, der Westböhmischen Galerie Pilsen, der Galerie der Stadt Pilsen und der Jiří-Trnka-Galerie - weitere Informationen.
  • Besichtigung von Interieurs des Architekten und Design-Pioniers Adolf Loos, dessen zweite Frau aus Pilsen stammte, sind fortlaufend möglich - weitere Informationen.
  • Am 17.11. beginnt die Veranstaltungsreihe „Der Künstler und die Totalität“ - ein Mix aus Musik, Texten und Projektionen.
  • Am 29.11. ist es auch in Pilsen soweit: Es startet der Weihnachtsmarkt mit stimmungsvollen Veranstaltungen.

 

Eintrittskarten gibt es auf www.eventim.de, am Meeting Point im Zentrum oder direkt vor Ort an der Kasse.

 

@plzen2015
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Autor: Christoph Amthor, ManSprichtDeutsch.cz - Prag, 27.10.2015