Pilsen- Kulturhauptstadt Europas 2015

Als "Kulturhauptstadt Europas 2015“ rückt Pilsen für ein Jahr in den Fokus von Touristen, Kunstschaffenden, Kulturakteuren, Kulturinteressierten und Medien in ganz Europa. Zu diesem Anlass haben wir eine  eine eigene Pilsen 2015 Sektion auf unseren Seiten eingerichtet, um Sie regelmäßig auf dem Laufenden zu halten was sich rund um die Kulurhauptstadt 2015 ereignet. (ManSprichtDeutsch.cz offizieller Medienpartner von Pilsen 2015)


Kommen Sie nach Pilsen und schauen Sie sich den Nationalschatz der Maori an

Das Programm der Kulturhauptstadt Europas enthüllt ein weiteres Juwel: die Retrospektivausstellung zu Gottfried Lindauer (1839-1926). Die Werke des Pilsener Malers der neuseeländischen Maori sind im Ausstellungssaal Masné krámy der Westböhmischen Galerie in Pilsen untergebracht. Größter Anziehungspunkt der ganz einzigartigen Ausstellung sind die Portraits der berühmten Stammeshäuptlinge in hierarchischen Posen, in Festtagsgewändern, mit Waffen und Amuletten und insbesondere mit der typischen Tätowierung im Gesicht an anderen Körperstellen, die etwas über Person und Stammesidentität aussagte.




Sie fragen sich, was Pilsen mit den Ureinwohnern Neuseelands verbindet? Gottfried Lindauer, ein gebürtiger Pilsener, der im Jahre 1874 als einer von wenigen Malern den alten Kontinent verließ und sich in unbekannte Gegenden bis ans andere Ende der Welt – nach Neuseeland aufmachte, um seine Kunst und sein Talent zu entfalten. Dort malte er hunderte von Portraits weißer Bewohner und vorallem eine relativ vollständige Kollektion von Portraits bedeutender Maori, die zum Nationalschatz wurde. Deren Nachkommen betrachten Lindauers Werke bis heute nicht als Bilder, sondern als lebendige Gestalten, zu denen sie eine tiefe Beziehung aufrechterhalten. Auch aus diesem Grund ist die Ausstellung so einzigartig. Die Maori unter den Mitgliedern des Rates der Auckland Kunstgalerie Toi o Tāmaki gaben überhaupt zum ersten Mal ihr Einverständnis dazu, dass dieser Schatz von unermesslichem Wert das Land seiner Entstehung verlässt. Von Wert und Bedeutung, welche die Maori Portraits von Lindauer für deren Nachkommen darstellen, zeugt nicht nur der sorgfältige Umgang mit den Werken, sondern auch die traditionelle maorische Tradition, mit der sie ihren Vorfahren in der neuen Umgebung vor der Eröffnung der Ausstellung direkt im Ausstellungssaal Masné krámy Hochachtung erwiesen.

Zu sehen sind dort insgesamt 44 Portraits von maorischen Stammesangehörigen, deren Gesichter und weitere Körperteile von originellen Tätowierungen geschmückt werden, den sogenannten moko, zwei große mehrfigürige Genremalereien aus dem ländlichen Leben sowie eine Reihe weiterer Werke und Exponate. Das Ziel der Westböhmischen Galerie war es von Anfang an, dem gebürtigen Pilsener die Ehre zu erweisen, seine erste Retrospektivausstellung umzusetzen. Bestandteil der Ausstellung ist so auch Lindauers frühes Schaffen vor seinem Fortgang nach Neuseeland, das sich durch christliche Themen auszeichnet und vorallem Portraits Pilsener Bürger umfasst. Gerade diese Portraits halfen, das gestalterische Talent von Lindauer zu entwickeln, welches er auch bei den Antipoden zur Geltung brachte, wo er einer der bedeutendsten Portraitmaler seiner Zeit wurde.

Die Vertreter der Maori schätzen an seinem Schaffen vorallem die Tatsache, dass er nicht nur Angehörige verschiedener Ethnien gemalt hat, sondern vorallem die einzelnen Persönlichkeiten eingefangen und deren Andersartigkeit respektiert hat. Mit seiner Kunst hat er die maorische Kultur gefeiert und sich bemüht, seine Botschaft an die Welt weiterzugeben. Dank der Leihgaben aus dem Náprstkova muzeum in Prag, dem er während der Zeit seines Aufenthalts eine ganze Reihe von Exponaten zukommen ließ, sehen Sie dort auch die verschiedensten mit dem Werk Lindauers verbundenen Gegenstände und Dokumente, unter ihnen Original Mäntel, Schürzen, Holzkeulen und eine ganze Reihe von Briefen und Fotografien.

Die Ausstellung ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, bis 20. September auch mittwochs und samstags bis 20 Uhr.


Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten der Westböhmischen Galerie in Pilsen www.zpc-galerie.cz