Pilsen- Kulturhauptstadt Europas 2015

Als "Kulturhauptstadt Europas 2015“ rückt Pilsen für ein Jahr in den Fokus von Touristen, Kunstschaffenden, Kulturakteuren, Kulturinteressierten und Medien in ganz Europa. Zu diesem Anlass haben wir eine  eine eigene Pilsen 2015 Sektion auf unseren Seiten eingerichtet, um Sie regelmäßig auf dem Laufenden zu halten was sich rund um die Kulurhauptstadt 2015 ereignet. (ManSprichtDeutsch.cz offizieller Medienpartner von Pilsen 2015)


München – Leuchtende Kunstmetropole (1870–1918)

Die westböhmische Metropole Pilsen, nur siebzig Kilometer von der bayerisch-tschechischen Grenze entfernt, wird im Jahr 2015 Kulturhauptstadt Europas. Zu dem vielfältigen und umfangreichen kulturellen Programm, das im Laufe des Jahres 2015 angeboten wird, gehören unter anderem ambitionierte Ausstellungen der Westböhmischen Galerie in Pilsen, die die tschechische Kunst in internationale Zusammenhänge stellen. Ihr erstes Ausstellungsprojekt im Jahr 2015, München – leuchtende Kunstmetropole (1870–1918), ist zugleich auch der erste Programmpunkt im Rahmen der Kulturhauptstadt, der die traditionell intensiven kulturellen Kontakte zwischen Bayern und den böhmischen Ländern am Beispiel der bildenden Kunst zu Zeiten der Münchner Schule thematisiert.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich München zu einer der führenden europäischen Kunstmetropolen, die Malerei der Münchner Schule wurde zu einem international anerkannten und geschätzten Phänomen. Nach München kamen junge Künstler aus der ganzen Welt: Eine der zahlenmäßig stärksten und wichtigsten Gruppierungen in München bildeten die Künstler aus Böhmen und Mähren. Sie erhielten hier ihre Ausbildung, entweder an der Kunstakademie oder an privaten Kunstschulen; München stellte für sie eine Alternative zur Pariser Schule, bzw. ihrer Vorstufe, dar.

Die tschechischen Künstler beteiligten sich intensiv an der Dynamik der Kunstmetropole: dem Vereins- und Ausstellungsleben, dem Kunstmarkt, den Publikationsplattformen, künstlerischen Konzepten und Programmen. Die parallele Rezeption der Münchner Kunst in Böhmen und Mähren hatte unterschiedliche Ausprägungen, von der Schulung der jungen Künstler, über deren Reflektion in zeitgenössischen tschechischen Zeitschriften, bis hin zur Zusammenarbeit zwischen dem Münchner und dem Prager Kunstverein (Krasoumná jednota). Auch deshalb waren Künstler beider Seiten auf den regelmäßig stattfindenden Jahresausstellungen vertreten.

Dieser spannende künstlerische Austausch wurde bislang nicht ausreichend beachtet: Genau an diesem Punkt setzt die Ausstellung München – leuchtende Kunstmetropole (eine Bezeichnung aus der Novelle Gladius Dei von Thomas Mann) an. Sie thematisiert sowohl das Phänomen der „Stadt der Künstler“ als auch die drei Hauptperioden der Münchner Kunst – die Münchner Schule der religiösen und Historienmalerei, der Jugendstil und die Vereinigung Münchner Secession und die avantgardistischen Tendenzen bis zum Blauen Reiter. Ihr Hauptaugenmerk richtet sich dabei auf die Malerei, die in München eine herausragende Position einnahm, des Weiteren auf die Bildhauerei, Zeichnung und angewandte Grafik.

Die Ausstellung umfasst an die 125 Exponate (Bilder, Zeichnungen, Graphiken und plastische Arbeiten), darunter auch einige Werke namhafter deutscher Künstler aus den tschechischen Sammlungen, die in Deutschland (aber auch in Tschechien) wenig bekannt sind. Es handelt sich unter anderem um das Bild „Im Atelier“, eines der Hauptwerke von Wilhelm Leibl, „Porträt einer jungen Dame“ und „Familie des späteren Königs Ludwig III.“ von Franz von Lenbach, das bis 2014 verschollene Bild „Hl. Ludmila“ von Gabriel von Max, das einst sehr beliebste Gemälde „Faun und Nymphe (Neckerei)“ von Franz von Stuck, das „Selbstporträt mit Glas“ von Lovis Corinth, zwei wertvolle figurative Bilder „Im Klostergarten (Singende Kinder)“ und „Der Frühling kommt“ von Adolf Hölzel sowie das bis vor kurzem als verschwunden geltende Bild „Ein Blumentag“ von Thomas Theodor Heine.


Emanuel Krescenc Liška, Hagar und Ismael in der Wüste, 1883
Öl, Leinwand, 173 x 260 cm, Západočeská galerie v Plzni

Außerdem sind in der Ausstellung vertreten: Carl Theodor von Piloty, Richard Riemerschmid, Mitglieder der Gruppe Der Blaue Reiter – Wassily Kandinsky, Alexej von Jawlensky, Paul Klee, Marianne von Werefkin, Gabriele Münter, Alfred Kubin –, sowie Künstler, die nach München aus den böhmischen Ländern kamen, wie Alfons Mucha, Václav Brožík, Jakub Schikaneder, Emanuel Krescenc Liška, Luděk Marold, Joža Uprka, Hugo Steiner-Prag, Max Horb, Georg Kars, Alfred Justitz und viele weitere.

Weiterführende Informationen zu der Ausstellung finden Sie unter: www.zpc-galerie.cz/de

Die Ausstellung der Westböhmischen Galerie in Pilsen entsteht in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie Prag, der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau in München sowie dem Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg. Sie findet im Rahmen des Projekts Pilsen 2015 - Kulturhauptstadt Europas statt und wird außerdem durch die Pilsner Region, das Förderprogramm Ziel 3 Freistaat Bayern – Tschechische Republik 2007 –2013 und den Deutsch-tschechischen Zukunftsfond gefördert.

Zur Ausstellung erscheint eine umfangreiche zweisprachige (deutsch-tschechisch) Publikation, mit Beiträgen u. a. von Ute Strimmer, Caroline Sternberg, Markéta Theinhardtová, Šárka Leubnerová, Gerhard Leistner, Sandra Uhrig, Tomáš Winter. Herausgeber sind die Kunsthistoriker und Autoren des Ausstellungskonzepts Aleš Filip (Masaryk-Universität Brünn) und Roman Musil (Direktor der Westböhmischen Galerie in Pilsen).

Die Westböhmische Galerie hat sich seit ihrer Gründung im Jahr 1953 zu einer bedeutenden Sammlungs- und Ausstellungsinstitution entwickelt. Sie besitzt eine herausragende Sammlung der mitteleuropäischen und tschechischen Kunst um die Wende des 19. bis 20. Jahrhunderts, der frühen tschechischen Moderne (v. a. des Kubismus) sowie der 60er Jahre. Zu den erfolgreichsten Projekten der letzten Jahre gehören u. a. die Ausstellungen „Palmen an der Moldau. Primitivismus, außereuropäische Kulturen und die tschechische Kunst 1850–1950“, „Gabriel von Max (1840–1915)“, „Bilder der Schönheit und Erlösung. Gotik in Südwestböhmen“. Im Jahr 2015 werden noch die Ausstellungen „Gottfried Lindauer (1839–1926), der Pilsner Maler der neuseeländischer Maori“ und „Der westböhmische Barock“ gezeigt.


Ausstellung: 28.01.2015 – 06.04.2015
Eröffnung: 27.01.2014, 19:00 Uhr
Westböhmische Galerie in Pilsen / Západočeská Galerie v Plzni
Ausstellungsraum „Masné krámy“, Pražská 18, Pilsen


Quelle: PR Pilsen 2015